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Kapitel 19

Lynn wachte müde auf und brauchte einen Augenblick um zu verstehen wo sie war. Die Erinnerung an den letzten Tag kehrte zurück und sie brummte schwer und presste die Hände auf ihr Gesicht. Es war wirklich passiert, es war nicht nur ein Traum gewesen. Seufzend richtete sie sich auf und erkannte, dass Aislinn sie beobachtete. Lynn zuckte zusammen und Aislinn grinste breit.

»Hast du gut geschlafen?«

»Ja und du?«

»Gut danke, auch wenn du im Schlaf zeitweise redest.«

»Ich rede? Was sage ich denn?« ,fragte Lynn erschrocken.

»Undeutliches Gebrabbel. Hast du Hunger?«

Lynn nickte und Aislinn reichte ihr ein in Blätter eingewickeltes Päckchen. Lynn öffnete es und erblickte ein Kuchenstück. Sie aß genüsslich den dunklen Kuchen und blickte dabei aus dem geöffneten Vorhang nach draußen. Es schneite ein wenig und der Wind wehte ihr kalt ins Gesicht.

»Wir besorgen dir gleich ein paar neue Kleider, oder willst du diese anlassen?«

»Ich würde gerne Elfenkleider anziehen.« ,gestand sie schüchtern.

»Das freut mich. Wyn möchte dich später noch sprechen.«

»Wer ist Wyn?«

»Der große Elf, der dich gestern besucht hat. Er war Berater der letzten Elfenkönigin. Er möchte sich mit dir über deine Familiengeschichte unterhalten. Er meint es ist der erste Schritt um dir aufzuzeigen wer genau du bist.«

Lynn nickte und wurde allmählich aufgeregt. Sie biss ein weiteres Stück ihres Kuchens ab und bemerkte wie Aislinn sie immer noch ansah. Fragend blickte Lynn die Elfin an und diese lächelte entschuldigend.

»Verzeih, aber ich bin ein wenig fasziniert von dir. Du bist so jung und doch schon so erwachsen.«

»Wie meinst du das?« ,fragte Lynn verwirrt.

»Wie alt bist du?«

»Siebzehn.«

»Eine siebzehnjährige Elfin ist für gewöhnlich noch viel kleiner und kindlicher. Du bist mehr wie eine Erwachsene. Groß, intelligent und fraulich.«

»Ah, das ist wieder so eine sonderbare Sache mit dem Alter und dem geistlich und körperlichen oder? Man hat mir schon einmal versucht das zu erklären und ich habe aufgegeben es zu verstehen.«

»Es ist für mich hoch interessant. Allem Anschein haben unseres Gleichen in der Menschenwelt keine Kräfte und wir werden wohl oder übel zu Menschen.«

»Das würde erklären, warum meine Großmutter gealtert ist.« ,sagte Lynn scherzend.

Sie stopfte sich den letzten Rest Kuchen in den Mund und erhob sich, als Aislinn sich aufrichtete. Lynn folgte der Elfin hinaus ins Freie. Es war kein Elf zu sehen und Lynn sah sich überrascht um.

»Wo sind alle?« ,flüsterte sie beinah.

»Sie verteidigen unseren Wald und die Überreste unserer Vorfahren. Weder die Unkas, noch der schwarze König wissen, wie viel uns diese Wälder bedeuten.«

»Und die Magesfamilie schon?«

»Ja und deshalb waren Zains Worte sehr viel mächtiger.«

Lynn nickte und schüttelte sich bei der Erinnerung. Er hatte ihr drohend gesagt, dass er die Elfen töten würde und ihre Wälder abbrennen würde, nur um sie zurück zubringen. Er würde ihr Volk auslöschen, sogar deren Überreste. Unwillkürlich musste sie an Rosettes Worte denken. Zain war seinem Vater sehr ähnlich, und der Verlust eines geliebten Menschen hatte seinen Vater den Verstand gekostet. Lynn konnte nur hoffen, dass Nicolo ihn unter Kontrolle behielt.
Aislinn bedeutete ihr stehen zu bleiben und verschwand kurz in einem der anderen Hütten. Dann kehrte sie zurück, in ihrer Hand ein blaues beinah transparentes Kleid. Sie drückte es Lynn in die Hände und Lynn spürte wie weich und dünn dieser Stoff war.

»Zieh dich um ich werde solange warten.«

Lynn kletterte in die kleine Hütte und begann ihre Kleider abzulegen. Dann zog sie das Kleid über und war überrascht wie sanft es sich an den Körper schmiegte. Es wurde im Nacken zusammengebunden und fiel sanft über ihren Körper hinab. Es war Bodenlang und hatte keine Arme. Zuletzt zog sie ihre Schuhe aus und trat dann Barfuß in den kalten Schnee. Für einen Moment wollte ihr Gehirn ihr vermitteln, dass der Schnee kalt war und sie sich erkälten würde, aber ihr Körper verspürte keine Kälte. Lächelnd vergrub sie ihre Zehen in den weißen Schnee. Er fühlte sich beinah warm an, als wäre man am Strand.
Aislinn musterte sie kurz und nickte dann lächelnd. Aislinn ihr gegenüber wirkte mehr wie eine Kriegerin, da ihr Kleid nur bis zur Mitte ihrer Oberschenkel reichte und ein weicher tuchartiger Gürtel an ihrer Taille, ihren Dolch festhielt. Auch sie war ohne Schuhe unterwegs und Lynn stellte fest, dass sie bisher noch keinen Elf mit Schuhwerk gesehen hatte. Aislinn setzte sich in Bewegung und Lynn folgte ihr.
Sie verließen die Waldlichtung und Aislinn führte sie wieder auf unsichtbaren Pfaden durch den dichten Wald. Lynn sah sich im Wald um und fühlte sich unbehaglich zu wissen, dass sie zwischen lauter toten Elfen umher wandelte. Doch noch verwirrender war die Stille. Nicht ein Vogel zwitscherte.

»Warum sind hier keine Tiere?« ,fragte Aislinn neugierig.

»Sie sind geflohen vor dem schwarzen König. Wir sind hier geblieben um unsere Ahnen zu beschützen.«

»Wie ist das mit diesen Bäumen. Du hast gesagt, es sind verstorbene Elfen. Werden die Elfen zu Bäumen oder wächst ein Baum in welchem die Seele des Elfs verweilt?«

Aislinn sah sie überrascht an und lächelte dann.

»Du bist wahrhaftig eine Elfin. Für jeden Elf wächst ein Baum, in welchem seine Seele verweilt.«

»Gilt das auch für meine Mutter?« ,wisperte Lynn.

»Ich weiß es nicht. Sie starb in der Menschenwelt.«

Lynn nickte langsam. Vielleicht war es auch gut so. Sie kannte diese Welt nicht und jetzt wo auch immer sie war, war sie mit ihrem Vater zusammen. Aislinn hüpfte über einen umgefallen Stamm und Lynn folgte ihr. Angewurzelt blieb sie stehen und blickte auf das Chaos unter ihr. Verbrannte Bäume, deren Asche im Wind leise davon flog. Hier hatte ein Kampf stattgefunden. Der Schnee war aufgewirbelt und an einigen Stellen rötlich gefärbt.

»Das ist nur ein kleiner Ausmaß dieses Kriegs.« ,sagte plötzlich eine dunkle Elfenstimme neben ihr.

Lynn blickte auf und erkannte den großen Elf vom Vortag, welcher wie Aislinn es sagte, Wyn hieß. Sein Blick war betrübt und ein weicher Schimmer lag auf seinen Augen.

»Es ist grausam. Ohne die Bäume wandern die Seelen der Verstorbenen ruhelos umher.«

»Kann man denn nicht neue Bäume pflanzen?«

»Seit sehr vielen Jahren konnten wir keine Bäume mehr pflanzen, weil uns dazu die Gabe fehlt.«

»Die Gabe?« ,fragte Lynn verwirrt.

»Es ist eine Gabe diese Bäume wachsen zu lassen. Tief unter dem Schnee liegen verborgen die Samen der Bäume, die in der Lage sind unsere Seelen aufzunehmen. Wir wissen, dass sie dort sind, aber wir können sie nicht befehligen aus der Kälte aufzuwachen. Darum sind in dieser Welt sehr viele verlorene Seelen unterwegs. Nicht nur die Seelen derer, die ihre Seelenbäume verloren haben, sondern auch die Seelen derer, die im Kampf gefallen sind. Die Seele deiner Mutter wandert auch hier umher.« ,sagte er plötzlich.

Lynn starrte ihn an und blickte dann wieder über die verbrannte Landschaft, als könnte sie die Seele ihrer Mutter sehen.

»Was ist mit meinem Vater? Ist er auch hier?«

»Ich weiß es nicht. Es ist schon einmal vorgekommen, dass ein Elf seine Frau aufnahm, obwohl sie eine Unka war. Vielleicht hat deine Mutter deinen Vater mitgenommen.«

Lynn spürte wie ihre Beine unter ihr nachgaben. Ihre Eltern waren vielleicht hier, so nahe bei ihr und doch waren sie verloren. Wütend schlug sie mit der Faust auf den Boden. Wieso konnten diese Bäume nicht von den Elfen gepflanzt werden? Ihre Finger krallten sich in den Schnee. Es war nicht fair.

»Wir besitzen die Gabe der Seelenbaumzüchtung nicht, aber Mitglieder der königlichen Familie. Es war seit je her ihre Aufgabe die Bäume zu pflanzen und so unseren Seelenfrieden zu ermöglichen. Du bist die letzte Überlebende der Königsfamilie. Die Gabe fließt in deinem Blut. Du kannst diesen Wald wieder aufbauen.«

Lynn starrte Wyn an und rappelte sich auf. Ihr Herz schlug vor Aufregung und ihre Zunge war schwer. Der Elf legte ihr wie bei einem Kind die Hand auf den Kopf und sie erkannte wie er sie traurig anlächelte.

»Ich weiß was du fragen willst, aber ich kann dir nicht sagen wie man die Seelenbäume wachsen lässt. Die Letzte die es weiß, ist deine Großmutter Lynn und sie hat jeden Kontakt mit uns abgebrochen. Du musst sie fragen.«

Lynns Lächeln verlosch und sie blickte zu Boden. Sie sollte ihre Großmutter um Hilfe bitten? Die Person die Schuld daran war, dass es hier einen Krieg gab? Die Schuld daran war, dass Zain aus Rache ihre Eltern ermordet hatte? Wütend ballte sie die Hände zu Fäusten.

»Komm Lynn, ich werde dir etwas über deine Familie erzählen. Dir wird es leichter fallen alles zu verstehen, wenn du mehr weißt.«

Er legte ihr eine Hand in den Rücken und führte sie weg von dem Chaos. Aislinn folgte ihnen mit einigem Abstand. Lynn wanderte ruhig neben Wyn her und wartete, dass er etwas sagte.

»Also wo soll ich anfangen? Am besten bei Lelia. Sie war die Mutter deiner Großmutter und sie gilt als die größte Elfenkönigin in der Geschichte. Sie hatte eine sehr lange Lebenszeit und somit auch eine sehr lange Herrscherzeit. Eigentlich hat sie nicht wirklich geherrscht. Sie war sehr gütig und warmherzig. Sie hat die Wälder sehr weit wachsen lassen. Sie wollte einen Vorrat an Seelenbäumen sähen. Als hätte sie eine Vorahnung gehabt, was geschehen würde.«

»Glaubst du sie hat es gewusst?« ,unterbrach Lynn ihn.

»Ich glaube ja. Ich habe viele Jahrzehnte an ihrer Seite gearbeitet und sie kam mir immer sehr vorhersehend vor. Ich denke sie hat es gewusst.«

»Aber warum hat sie dann nichts unternommen? Sie hätte ihre Tochter aufhalten können, bevor es später zu diesem Krieg kommt.« ,sagte Lynn wütend.

»Vielleicht hat sie auch gewusst, dass du kommen würdest. Wir kennen ihre Beweggründe nicht, aber was geschehen ist, ist geschehen. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Lelia mochte die Unkas, aber sie erkannte auch, dass die Unkas die alten Winterbewohner immer mehr unterdrückten und ausbeuteten. Und hier kommt Nicolo ins Spiel.«

»Er hat einen Pakt mit den Elfen geschlossen, richtig?«

»Richtig. Lelia war sehr angetan von ihm und seinen Vorstellungen und Plänen für die Zukunft. Nicolo war ein Unka und er prangerte die Ungerechtigkeit an, die es in den Welten gab. Er sprach von arm und reich und der Unterdrückung und Ausbeutung. Er wollte ein Verbindungsstück sein, zwischen den Winterbewohnern und den Unkas. In der Menschenwelt wollte er für mehr Freude bei den Kindern Sorgen und somit vielleicht mehr Frieden im Allgemeinen.
Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag, als er Lelia den Vorschlag machte, ihn mit Elfenkräften zu versehen. Ich war damals einer von vier Beratern der Königin Lelia. Wir stimmten dem Vorschlag zu unter dem Vorbehalt, dass er eine Elfin von königlichem Blut heiraten musste.«

Wyn steuerte eine kleine Schneeanhöhung an und setzte sich auf den kleinen Berg. Lynn setzte sich ihm gegenüber auf den Boden und blickte zu ihm auf. Wyn seufzte leise und fuhr sich durch seine schwarzen Haare.

»Nicolo stimmte ein und Lelia übertrug Elfenkräfte auf ihn. Somit wurde Nicolo ein Mages, wie die Unkas ihn nennen. Gleichzeitig wurde er der bei euch bekannte Weihnachtsmann. Er war sehr beliebt in der Menschenwelt und zu mindestens in den ersten Jahrhunderten schaffte er es zu mindestens zur Weihnachtszeit Frieden zu stiften. Hier war er jedoch nicht ganz so erfolgreich. Es war schwieriger als gedacht, die Unkas von ihrem Weg abzubringen. Selbst jetzt ist kaum Erfolg zu sehen. Obwohl es keine Sklavenhaltung mehr gibt.«

»Warum hat Nicolo keine Elfin königlichen Blutes geheiratet?«

»Ach ja, das war ein turbulentes Jahr gewesen. Er hatte Rosette in der Menschenwelt kennen gelernt und das Menschenmädchen hierher gebracht. Wenn ich mich recht erinnere, war sie eine Sklavin gewesen. Er verliebte sich in sie und heiratete sie. Wir, die Ratgeber und das Elfenvolk waren damals sehr aufgebracht, aber Lelia beruhigte uns. Sie erklärte, dass ein Nachkomme Nicolos diesen Pakt dann einlösen müsse.«

»Casimiro hat es aber auch nicht getan. Hat Lynn deshalb Felizia getötet?«

»Nein, das war anders. Lynn war älter als Casimiro und hat ihn mehr oder weniger mit aufgezogen. Sie war sehr verliebt in ihn, doch er sah sie mehr wie eine ältere Schwester, als eine Geliebte. Lynn war sehr verblendet und als Casimiro heiratete und Zain auf die Welt kam, war sie immer noch sehr verliebt in ihn. Sie verzieh ihm und irgendwann sprang ihre Liebe auf Zain über.«

»Auf Zain? Soll das heißen, meine Großmutter war in Zain verliebt?«

»So war es. Es war nur wenige Monate nach der Geburt der Zwillinge, als sie Casimiro ihre Liebe zu seinem Sohn gestand und von ihm verlangte den Pakt durch seinen Sohn einzulösen. Casimiro willigte nicht ein. Er wollte seinen Sohn nicht einer sehr viel älteren Elfin geben. Lynn war am Boden zerstört. In ihrer Wut wollte sie Casimiro töten, aber Felizia fing ihren Angriff mit ihrem Körper ab.«

Wyn stoppte und Lynn starrte ihn an. So war das damals also gewesen. Felizia hatte ihren Mann schützen wollen. Mittlerweile verstand sie sogar warum Casimiro verrückt geworden war. Er war von einer verliebten Elfin umgeben gewesen und als diese seinen Sohn heiraten wollte, mussten seine Instinkte als Vater geläutet haben.

»Was war mit Lelia?«

»Sie hat zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr gelebt. Deine Großmutter hätte den Thron besteigen sollen, aber sie zog es vor bei der Magesfamilie zu sein. In all dieser Zeit hat sie ihre Pflichten als Königin sehr vernachlässigt. Sie hat weder Seelenbäume gepflanzt, noch sich um die Winterbewohner gekümmert.«

»Aber warum? Wieso hat sie euch den Rücken zugekehrt?«

»Aus Liebe Lynn. Sie war verblendet. Nach ihrer Tat floh sie in die Menschenwelt. Es hat sehr lange gedauert bis wir sie wieder gefunden hatten. Ich meine deine Mutter Lysandra war damals schon auf der Welt. Lynn weigerte sich in die Winterwelt zurückzukehren. Sie hatte sich in einen Menschen verliebt. Zudem waren ihre Elfenkräfte schon fast vollständig verschwunden. Sie hat den Kontakt abgebrochen.«

»Woher wusstet ihr dann, dass meine Mutter ermordet wurde? Wusstet ihr überhaupt, dass sie eine Elfin war?«

»Wir wussten es. Elfenblut vererbt sich entweder ganz oder gar nicht, wenn es mit einer anderen Rasse gekreuzt wird. Bei deiner Mutter haben wir es gespürt, als sie ein Säugling war. Als sie starb, waren ihre Elfenkräfte beinah völlig verschwunden. Wir haben ihren Tod dennoch gespürt. Wir alle sind mit unserer Königsfamilie verbunden. Wenn ein Mitglied stirbt, spüren wir es.«

»Aber ihr wusstet nichts von mir oder?«

»Nein. Deine Elfenkräfte waren hervorragend versteckt. Es war mehr ein Zufall, dass wir es herausgefunden haben. Nicht war Aislinn?«

Die Elfin grummelte etwas und der große Elf lachte laut auf. Lynn seufzte leise und blickte in den Himmel. Es war grau und düster, passend zu der Geschichte, die sie gerade hörte. Ein paar Schneeflocken fielen vereinzelt zu Boden und sie fing eine mit der Hand auf.

»Warum habt ihr der Magesfamilie den Krieg erklärt?«

»Aus zwei Gründen. Erstens hatten sie den Pakt immer noch nicht erfüllt und zweitens hatten sie die letzte, so dachten wir zu mindestens, die letzte Thronfolgerin getötet. Folglich konnten sie den Pakt nicht einlösen und unser Volk war dem Untergang geweiht. Was blieb uns anderes übrig?«

Lynn nickte langsam und ließ ihre rechte Hand über den kalten Schnee kreisen. Alles machte auf einmal sehr viel mehr Sinn. Aber es gab immer noch eine Sache die sie nicht wusste, doch diese Frage konnte sie nur einer Person stellen. Ihrer Großmutter. Lynn seufzte schwer und vergrub den Kopf zwischen ihren Knien. Plötzlich spürte sie wieder die große schlanke Hand Wyns auf ihrem Kopf und Lynn blickte auf.

»Du bist noch sehr jung für eine Elfin, dennoch bist du schon sehr erwachsen. Ich kann dich zu nichts zwingen, aber ich muss und werde dir diese Frage stellen. Willst du Lynn, Tochter von Lysandra und Thronfolgerin unseres Reiches, deinen rechtmäßigen Platz als unsere Königin einnehmen?«

Lynn sah den Elf an, was konnte sie schon verlieren? Ihre Wurzeln waren in dieser Welt und diese Elfen waren jetzt ihre neue Familie. Sie musste die Winterbewohner beschützen. Ihr eigenes Wohl und ihre Vorhaben mussten zurückbleiben. Sie würde ihre Familie verlieren, aber eine neue gewinnen.

»Ich werde mein Erbe antreten.« ,sagte sie entschlossen.

»So sei es. Ich werde alles für die Zeremonie vorbereiten lassen. Bereits morgen wirst du unsere Königin sein.«

Er nickte ihr lächelnd zu und war dann verschwunden. Lynn holte tief Luft und schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter. Aislinn hockte sich neben sie kam und lächelte sie glücklich an.

»Es freut mich sehr, dass du das Erbe antrittst, auch wenn es zu einer sehr schwierigen Zeit ist. Aber du kannst dir sicher sein, dass wir Elfen hinter dir stehen und deinem Befehl Folge leisten.«

Lynn nickte dankend und rieb sich die Arme. Ihr war plötzlich kalt und sie schüttelte sich. Es würde alles andere als leicht werden. Sie hatte keine Ahnung wie man ein Volk regierte oder sich durchsetzte. Sie konnte sich nicht einmal gegen ihren Cousin Tom behaupten. Aislinn klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter und nickte dann mit dem Kopf Richtung Wald. Gehorsam stand Lynn auf und folgte ihr wieder tiefer in den dunklen Wald.
9.12.14 16:18
 
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