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Kapitel 17

Warmer Sonnenschein fiel vom Himmel und Lynn überblickte die Landschaft. Am Abend hatte sie nur ein kleines Ausmaß dieses Wunders sehen können. Eine gigantische Wiesenlandschaft auf welcher wilde Blumen wuchsen und vereinzelt Bäume standen. Ein kleiner Bach schlängelte sich durch die flache Ebene und verschwand irgendwo am Horizont. Vögel zwitscherten und flogen über ihren Kopf hinweg, gefolgt von einer sommerlichen Brise. Sie hatte nicht gewusst, dass es solch einen Ort in der Winterwelt gab. Befremdlich war nur die schwere Eisentür, die mitten in dieser Landschaft stand. Sie zog die weiche, dünne Decke näher an sich und blickte dann auf den Ring an ihrem linken Ringfinger. Sie musste wahnsinnig geworden sein, dass hätte zu mindestens ihre Mutter gesagt. Sie hatte sich tatsächlich verlobt, mit jungen siebzehn Jahren. Sie blickte neben sich hinunter und betrachtete den schlafenden Zain. Er lag die Arme nach oben ausgestreckt auf dem Rücken und schnarchte leise vor sich hin. Sie beugte sich zu ihm hinunter und gab ihm einen kurzen Kuss auf die Stirn.
Langsam stand sie auf und schlich hinter die dicke Eiche. Sie hatte dort bereits einige Kleidungsstücke aus ihrem Schrank entdeckt. Er hatte wirklich alles vorbereitet. Ruhig zog sie sich an und schaute noch einmal nach Zain. Er lag unverändert auf der breiten Decke. Barfuß entfernte sie sich von ihrem Platz unter der Eiche und spazierte durch diese herrliche Landschaft. Ein wenig Tau hing noch an den Gräsern und befeuchtete ihre blaue Jeans. Es war einfach ein wunderschöner Ort. Sie drehte sich ein paar Mal im Kreis und ließ sich dann ins weiche Gras fallen. Ein paar Schmetterlinge flatterten aufgeregt weg und Lynn atmete tief den Geruch des nassen Grases ein. Obwohl sie den Winter mochte, war der frühe Sommer ihr noch lieber. Sie streckte ihren linken Arm und blickte auf den weißen Edelstein ihres Rings. Für ihn gab sie ihre Welt auf und damit den Jahreszeitenwechsel in ihrer Welt. Vielleicht konnte sie öfters an diesen Ort kommen, damit ihr der Winter nicht überdrüssig wurde. Sie setzte sich wieder auf und entschied sich zurück zur Eiche zu gehen.
Als sie die Eiche erreichte erkannte sie, dass Zain nicht da war. Ein wenig ängstlich suchte sie ihn, fand ihn aber nirgends. Sie überblickte das weite Gebiet, aber sie konnte ihn nirgends ausmachen.

»Zain?« ,rief sie laut.

»Hier oben.« ,rief er plötzlich.

Sie blickte in das dichte Blattwerk der Eiche und erkannte ihn zwischen ein paar dicken Ästen sitzen. Er lächelte ihr zu und sie winkte ihm. Dann begann sie ebenfalls die dicke Eiche zu erklimmen. Es war recht einfach, da die Äste nah beieinander standen und genügend Griffe boten. Schnell hatte sie ihn erreicht und setzte sich ihm gegenüber auf einen dicken Ast.

»Wie hast du geschlafen?« ,fragte er munter.

»Sehr gut und selbst?«

»Rundum zufrieden. Gefällt es dir hier?«

»Ja. Was ist das für ein Ort?«

Zain sah kurz über das Tal und lächelte breit.

»Mein Vater hat diesen Ort für meine Mutter geschaffen. Ihr fehlten die Jahreszeiten, also erschuf Casimiro einen Ort, der die drei Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst durchlief um sie zu erheitern. Sie sind oft zusammen hierhergekommen und einmal hat mein Vater mich mitgenommen und mir diesen Ort anvertraut. Sollte ich einmal ein Menschenmädchen heiraten solle ich ihr diesen Ort schenken, damit er sie genauso glücklich macht wie meine Mutter.«

Lynn lächelte und nickte dankend. Allem Anschein war Zains Vater Casimiro nicht immer ein schwarzer König gewesen. Er musste seine Frau Felizia wirklich sehr geliebt haben.

»Wie hast du dir das eigentlich vorgestellt? Soll ich zu meiner Familie gehen und ihnen sagen, dass wir verlobt sind und ich mit dir komme?« ,fragte sie plötzlich bedrückt.

»So in etwas, ja.« ,sagte er grinsend.

»Das geht nicht Zain. Ich bin nicht volljährig und ich unterliege dem Sorgerecht meines Onkels. Er wird mich nicht einfach gehen lassen, ehe ich nicht achtzehn bin und mein Abitur habe.«

Zain schwieg und seufzte dann schwer. Ein trauriger Ausdruck lag in seinem Gesicht und er schnaubte.

»Dann werde ich wohl ein Jahr auf dich warten müssen.« ,sagte er erschöpft.

»Bis zum Abitur ist es nur ein halbes Jahr und ich kann an den Wochenenden zu euch kommen.«

»Das geht nicht. Das Portal zwischen unseren Welten ist nur etwa ein Monat vor Weihnachten geöffnet und schließt sich nur wenige Tage nach Weihnachten. Wir wären ein Jahr getrennt.«

Lynn sah ihn überrascht an, das hatte sie nicht gewusst. Deshalb war er mit allem so eilig. Er hatte gehofft noch bevor das Portal sich für ein Jahr schloss, sie endgültig bei sich behalten zu können. Lynn kletterte zu ihm hinüber und hob sein Kinn an, damit er ihr in die Augen sah.

»Zain. Wenn dir so viel daran liegt, werde ich hier bleiben. Du bringst mich Weihnachten einfach nicht wieder zurück. Ich werde ein für immer verschollenes Mädchen sein und gut ist. Ich fange hier neu an, für dich.«

Er sah sie mit weit aufgerissenen Augen an und schüttelte dann energisch den Kopf.

»Nein Lynn. Ich weiß wie hart du gearbeitet hast um jetzt dein Abitur machen zu können. Ich kann dich nicht von deiner Familie brutal trennen. Du sollst sie weiterhin besuchen können, wenn auch nur zur Weihnachtszeit. Nein ich werde hier auf dich warten, bis du alles in Ruhe geregelt hast.«

Er legte eine Hand in ihren Nacken und lehnte seine Stirn an ihre. Lynn schloss die Augen und griff nach seiner anderen Hand. Sie drückte diese sanft und schnaubte dann.

»Jetzt erzähl doch mal. Wie hast du das alles hier organisieren können, ohne dass ich etwas davon bemerkt habe?«

Er lachte laut und ließ ihren Nacken los. Ruhig strich er ihr über ihr Gesicht und küsste dann ihre Hand.

»Meine Erledigungen sind nicht immer nur mit dem Krieg verbunden. Es war der Freitag, als ich morgens früh bereits weg war und erst spät wieder gekommen bin. Du bist mir später weinend um den Hals gefallen, weil du dir so Sorgen um mich gemacht hattest.«

Lynn sah ihn überrascht an. Das war letzten Freitag gewesen, also hatte er noch nicht allzu lange mit dem Gedanken gespielt sie zu heiraten, oder doch? Er schien ihre Gedanken gelesen zu haben, denn er lächelte und zog sie näher an sich.

»Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt dich zu heiraten, aber ich musste auf den richtigen Moment warten.«

»Wieso hast du mich während des Balls gefragt?« ,schnaubte Lynn schwer.

»Es war der geeignete Moment. Alles war festlich und jeder sollte sehen, dass ich es ernst mit dir meine.«

»Du bist verrückt.«

»Ich weiß.« ,sagte er lachend.

Sie kletterten von der massiven Eiche hinunter und begannen dann einen langen ausgiebigen Spaziergang. Lynn hatte sich bei ihm eingehakt und sah den Vögeln nach, welche über den Himmel davon flogen.

»Wie weit ist dieser Ort eigentlich?«

»Unendlich. Deshalb muss man aufpassen sich nicht zu verirren. Man kann an diesen Ort kein Portal öffnen und es betreten oder verlassen wie man will. Man muss die Tür benutzen.«

»Hast du keine Sorge, dass andere an diesen Ort gelangen?«

»Nein, nur wir beide können ihn betreten und vielleicht einmal unsere Kinder. Dieser Ort wird weitergegeben. Fremde können ihn nicht betreten.«

Als er die Kinder erwähnte, spürte Lynn wie ihr heiß wurde. Daran hatte sie noch gar nicht gedacht. Sie liebte Zain, aber Kinder? Der Gedanke an ein Kind war beängstigend, sie wollte noch kein Elternteil werden.

»Lynn entspann dich. Du vergisst, dass du jetzt viel älter wirst. Zum einen, weil du eine Elfin bist, zum anderen weil du mich heiraten wirst. Ich lasse dir alle Zeit der Welt mit dem Nachwuchs.«

Lynn sah ihn überrascht an und nickte dann. Sie vergaß immer, dass er bereits sehr viel älter war als sie. Er lächelte sie an und sie schlenderten weiter.

»Sag mal wie alt ist Sigurd?« ,fragte sie nach einer Weile.

»Warum fragst du?«

»Er ist ein Elf, mich interessiert wie alt er ist, weil er noch recht jung aussieht.«

»Er hat dir tatsächlich sein Geheimnis verraten? Soweit ich weiß ist Sigurd um einiges älter als Nicolo.«

»Werden Elfen älter als ihr?« ,fragte sie leise.

»Es ist in etwa dieselbe Lebensspanne.« ,sagte er ruhig.

»Aber warum sieht Sigurd dann so jung aus?«

»Das liegt daran, dass Nicolo und auch Rosette ihre Körper haben altern lassen. Sie wollten nicht als Großeltern so aussehen wie Eltern ihrer Enkel. Ihre jetzige körperliche Gestalt haben sie schon ein paar Jahrzehnte.«

Lynn nickte erleichtert. Es wäre schrecklich gewesen zu wissen, dass sie als Elfin Zain überleben würde. Was würde sie dann noch hier halten?

»Was ist mit den Zwillingen? Sind sie wirklich so kindlich oder verstellen sie sich?«

»Die Zwillinge halten ihr kindliches Aussehen bereits seit zwanzig Jahren. Es ist schwer zu erklären, da wir länger leben dauern manche Lebensspannen länger. Eigentlich wären die Zwillinge jetzt mehr in deinem Alter vom Aussehen, aber sie mögen es Kinder zu sein. Wenn du einmal deine körperliche Gestalt veränderst oder die jetzige aufgibst, kannst du nicht in dieses Stadion zurückkehren. Deshalb bleiben sie so lange wie möglich Kinder.«

»Soll das heißen, sie geben nur vor Kinder zu sein?«

»Mehr oder weniger. Wie gesagt, es ist schwer zu erklären.«

Lynn blieb stehen und setzte sich auf die Erde. Zain ließ sich neben ihr nieder und streckte sich dann aus. Lynn grübelte über das was Zain ihr gerade gesagt hatte. Es würde so einiges erklären, warum die Zwillinge, besonders Aaron manchmal nicht wie ein Kind wirkte. Besonders kurz vor ihrer Verlobung mit Zain hatte sie es gespürt. Die Zwillinge waren angespannt gewesen und nicht wie Kinder aufgeregt. Sie legte sich neben Zain auf den Bauch und blickte in die Landschaft zurück zur Eiche.
Zain döste wieder neben ihr, aber sie fand keine Ruhe. Sie war innerlich aufgewühlt, aber sie wusste nicht warum. Ihr Herz pochte aufgeregt und ihre Finger kribbelten. Erneut betrachtete sie den weißen Edelstein an ihrem Ring und strich über ihn. Überrascht wiederholte sie diese Bewegung. Der Edelstein vibrierte, deshalb kribbelten ihre Finger, doch warum? Verwirrt blickte sie wieder über die Landschaft und erkannte am Horizont in der Nähe der Metalltür eine Gestalt stehen. Sie war in schwarz gekleidet und blickte zu ihnen hinüber. Erst dachte sie es wäre Sigurd, aber die Gestalt war breiter und ein wenig kleiner. Erschrocken setzte sie sich auf und in diesem Moment verschwand die Gestalt durch die Tür.

»Zain.« ,flüsterte sie aufgeregt.

Sie rüttelte ihn wach und er kam erschrocken zu sich.

»Was ist los?« ,fragte er besorgt.

»Da drüben stand jemand.« ,sagte sie keuchend.

»Ach Lynn, das kann nicht sein.«

»Aber ich bin mir sicher. Eine schwarze Gestalt und sie hat hier herüber gesehen.«

Er setzte sich auf und blickte an die Stelle auf die sie zeigte. Er schnaubte und strich ihr über den Rücken.

»Du bist bestimmt eingenickt und hast dir das eingebildet. Niemand außer uns beiden kann diesen Ort betreten.«

Ein wenig unsicher nickte sie und griff dann nach Zains Hand.

»Lass uns gehen.« ,flehte sie.

Er nickte und Lynn eilte zur Eiche zurück. Sie raffte ihr Kleid zusammen und wartete geduldig auf Zain, während er in aller Ruhe seine Kleider zusammen faltete und in einem Korb verstaute. Dann kam er zu ihr hinüber und hielt ihr die schwere Eisentür auf. Kalter Wind schlug ihr entgegen und im nächsten Moment stand sie wieder in der weißen Winterlandschaft. Leise schloss Zain das Portal und legte ihr dann eine Hand auf die Schulter. Erneut hielt er ihr eine Tür auf und Lynn trat ins warme Haus des Weihnachtmanns.
Das Wohnzimmer war verlassen und sie gingen plaudernd die Treppen hoch. Vor ihrem Zimmer machten sie einen kleinen Stopp, damit sie ihr Kleid aufhängen konnte und folgte dann Zain in sein Zimmer.

»Wo sind denn alle?« ,fragte Lynn und lehnte sich an den Türrahmen.

»Ich nehme an in der Werkstatt. Wenn du willst können wir hinunter gehen und ihnen helfen.«

»Gern, aber ich weiß nicht ob ich geschickt genug bin. Die Zwillinge haben mir ihre Werke gezeigt. Sie sind wirklich gut.«

»Ja sie sind Nicolos ganzer Stolz in solchen Sachen. Ich hab zwei linke Hände wenn es ums Nähen von Stofftieren geht. Ich kümmere mich mehr um den Papierkram und die Organisation.«

Er sah sie achselzuckend an und griff dann nach ihrer Hand. Sie kehrten den Weg zum Wohnzimmer wieder zurück und nahmen dann eine weitere Treppe hinunter in die Werkstatt. Der Lärm schlug ihr bereits auf halben Weg entgegen und als sie unten ankamen erkannte Lynn, dass in der Werkstatt unglaubliche Hektik und Chaos herrschte.

»Wir sind gut im Geschäft, aber vor Weihnachten ist immer viel zu tun. Da drüben ist Rosette, willst du ihr helfen? Sie macht Weihnachtskugeln.«

Lynn nickte zögerlich und Zain zog sie begeistert mit sich. Sie schlängelten sich durch die herumlaufenden Massen von Zwergen, welche aufgeregt zwischen ihren Werkbänken hin und her liefen. Jemand sprang ihr auf den Rücken und sie wäre beinah gestürzt, wenn Zain sie nicht aufgefangen hätte.

»Arvid nicht so stürmisch.« ,rief sie erschrocken.

»Hallo Lynn. Kommst du uns hier unten helfen?« ,fragte er amüsiert.

»Ich versuche es.«

»Du kannst auch nachher zu Aaron und mir kommen. Du könntest die Teddys ankleiden und in Geschenkkartons packen und sie mit bunten Papieren und Schleifen dann einwickeln.«

Lynn schnaubte und setzte Arvid auf dem Boden ab. Seine blonden Locken standen wild ab und seine dunklen Augen funkelten flehend.

»Ich komm später vorbei.« ,versprach sie.

Er sprang ihr um den Hals und drückte ihr einen Kuss auf die Wange, dann war er zwischen den Zwergen verschwunden. Zain neben ihr seufzte schwer.

»Ich bin nur froh, dass du die beiden nicht als junge Männer kennen gelernt hast. Ich glaube die beiden wären eine große Konkurrenz für mich geworden. Zumal sie noch jünger als ich sind.«

»Ich glaube es ist egal in welchem Alter sie sind. Für mich sind sie wie kleine Brüder.«

»Obwohl sie älter sind als du?« ,fragte er scherzend.

»Ach du weißt was ich meine.«

Er lachte laut und zog sie weiter durch das Gemenge, bis sie endlich Rosette erreichten. Sie stand über einem massiven dunklen Kessel, in welchem eine milchig trübe Masse vor sich her blubberte. Lynn blickte neugierig in den Topf. Immer mal wieder zerplatzte schmatzend eine Blase, bevor sich unter ihr bereits eine neue Blase bildete. Rosette trug über ihrem blauen Kleid eine weiße Schürze, welche bereits einige Farbkleckse hatte.

»Hallo ihr zwei. Wie geht es euch?« ,fragte sie liebevoll.

»Gut. Lynn wollte dir helfen. Kannst du ihr erklären, was sie machen muss? Und weißt du wo Nicolo ist?«

»Nicolo ist neben an im Stall bei den Rentieren. Ich glaube er bringt den Flugschlitten auf Vordermann.«

»Nicolo fliegt wirklich mit einem Schlitten durch die Luft?« ,fragte Lynn begeistert.

»Natürlich. Ein bisschen ist auch an euren Märchen vom Weihnachtsmann dran.« ,sagte Rosette lachend.

Zain nickte und drückte ihr noch einen Kuss auf die Lippen bevor er sich davon machte. Rosette sah ihm nach und seufzte dann leise.

»Er ist sehr wie sein Vater. Casimiro war auch so schrecklich stark in Felizia verliebt. Ihr Tod hat ihn den Verstand gekostet. Aber was rede ich da. Hier nimm dir eine Schürze und pass gut auf.«

Lynn nahm die Schürze entgegen und band sie sich schnell um. Rosette hielt ihre Hand über den Topf und langsam sonderte sich eine runde Blase ab. Rosette hielt ihre zweite Hand unter die Blase und nun schwebte diese zwischen ihren Händen.

»Siehst du, du fängst eine solche Blase ein und dann kannst du sie nach deinen Wünschen formen und verändern.«

Während sie sprach bewegte sie ihre Hände, als würde sie die Kugel durchkneten und langsam veränderte die Blase ihre Gestalt. Sie war nun Kegelförmig und lief spitz zu.

»Wenn du zufrieden bist, lässt du sie auskühlen. Dazu musst du sie anpusten.«

Rosette holte tief Luft und pustete dann ihr Werk an. Lynn konnte förmlich erkennen wie kalt ihr Atem war und die Kugel knirschte leise. Dann landete sie sanft in Rosettes untere Hand.

»Dann brauchst du sie nur noch anmalen. Versuch es einfach mal und sei nicht enttäuscht, wenn es nicht sofort klappt. Ich habe sehr viele Jahre gebraucht, bis ich es wirklich konnte. Aber das soll dich jetzt nicht entmutigen. Ich bin besser in der Küche.«

Lynn lächelte sie an und hielt ihre Hand über den Kessel. Eine Blase sonderte sich ab und Lynn führte schnell ihre linke Hand unter die Blase. Dann bewegte sie langsam ihre Hände um ein Gefühl für diese sonderbare Benutzung von Magie zu bekommen. Allmählich wurde die Blase länglicher und Lynn bewegte vorsichtig ihre Finger. Sanft fuhren mehrere Kerben in die weiche Masse und bildeten ein gedrehtes Gebilde. Als sie zufrieden war pustete sie sanft und die fertige Kugel fiel in ihre linke Hand. Rosette klatschte begeistert in die Hände.

»Du bist ein Naturtalent. Sie ist wirklich sehr schön geworden. Jetzt bedien dich an den Farben und lass deiner Kreativität freien Lauf.«

Lynn nickte wieder und fädelte zuerst einen dünnen Faden durch den Kegel. Dann tauchte sie die Kugel in eine weiße Farbe und ließ diese gut abtropfen, bevor sie wieder pustete und die Farbe trocknete. Dann fügte sie mit einem Pinsel silberglitzerndes Pulver hinzu und hängte den Kegel dann zum austrocknen.
Die Arbeit mit Rosette machte Spaß, da diese viele lustige Geschichten über Zain und die Zwillinge erzählte. Sie lachten herzlichst und Lynn erzählte selbst einige Dinge aus ihrer Kindheit. Rosette fragte sie nach Veränderungen auf ihrer Welt aus und erzählte ihr über Dinge in ihrem Leben. Lynn war überrascht zu erfahren, dass Rosette aus dem späten Mittelalter stammte, aber sie wollte nicht weiter darauf eingehen. Es mussten damals schwierige Zeiten gewesen sein, umso mehr freute sich Lynn für Rosette, dass sie jetzt hier in der Winterwelt war.

Irgendwann am frühen Nachmittag kam Arvid zu ihnen und entführte sie dann zu der Werkstatt der Zwillinge. Fortan kleidete sie Teddys in allen Größen, Farben und Formen an und verstaute diese in Kartons. Die Zwillinge plapperten ununterbrochen und fragten sie zu allem nach ihrer Meinung. Was ihre Arbeit anging waren die beiden sehr kritisch und hier spürte Lynn erneut, dass sie eigentlich keine Kinder mehr waren.

»Freust du dich schon auf den nächsten Ball?« ,fragte Arvid fröhlich.

»Ich denke schon, außer es gibt schon wieder Überraschungen.« ,sagte sie scherzend.

»Der goldene Ball ist ein Maskenball.« ,sagte Aaron grinsend.

»Ein Maskenball?« ,fragte sie verwirrt.

»Jep. Jeder der mag kann eine Maske anziehen, aber sie muss in Gold sein versteht sich.« ,erklärte Aaron.

»Werdet ihr euch verkleiden?« ,fragte Lynn neugierig.

»Natürlich du doch auch oder?« ,fragte Arvid lächelnd.

»Hast du eigentlich keinen Hunger?« ,fragte Aaron plötzlich.

»Es hält sich in Grenzen.«

»Wir können gleich etwas essen gehen. Sag mal Lynn du bleibst doch jetzt für immer hier oder?« ,fragte Aaron leise.

»Fürs erste nicht.« ,sagte sie leichthin.

»Was?« ,fragte Arvid aufgebracht und ließ den Teddy fallen, den er ihr gerade bringen wollte.

»Es ist nur ein Jahr. Ich muss in meiner Welt einiges regeln. Ich habe es schon mit Zain abgesprochen.«

»Das ist nicht fair. Wir verpassen ein ganzes Jahr mit dir. Deinen Geburtstag und auch sonst alle Feste die es hier gibt. Es ist nicht fair.« ,jammerte Arvid.

»Die Zeit geht schnell um. Außerdem dürfte ein Jahr für euch doch gar nichts sein. Ihr werdet es überleben.« ,sagte sie schnaubend.

»Unfair.« ,murmelte Arvid und hob den Teddy wieder auf.

Für die restliche Zeit sprach Arvid kein Wort mehr und sie sah seine kleine Gestalt seufzend an. Irgendwie benahm er sich doch noch wie ein Kind. Vergnügt über seine Reaktion, wendete sie sich wieder ihrer Arbeit zu.
7.12.14 18:31
 
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