* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* Themen
     Buch I
     Weihnachten

* mehr
     News
     Willkommen

* Freunde
    homunkulus
    - mehr Freunde

* Letztes Feedback






Kapitel 15

Der Schnee fiel lautlos vom Himmel und die weiße Masse knirschte unter ihren Stiefeln. Der Wind schlug ihr ins Gesicht und wehte ihre blonden Haare nach hinten. Obwohl ihr nicht kalt war, hatte sie auf Flehen von Rosette einen weißen Pelzmantel angezogen. Ihr eigener Atem war kaum zu sehen, als wäre es in ihrem inneren genauso frostig wie hier draußen.
Bosco wich ihr nicht von der Seite. Seine riesigen weißen Tatzen wirkten bedrohlich neben ihren schmalen Fußabdrücken im Schnee. Sein Kopf reichte ihr beinah bis zur Brust und würde er sich auf die Hinterbeine stellen, würde er sie um einiges überragen.
Lynn wanderte durch die Winterlandschaft und versuchte die vielen Ereignisse der letzten Tage in ihrem Kopf zu ordnen. So sehr sie es auch versuchte, in ihrem Kopf herrschte Chaos und sie sah sich nicht in der Lage die Dinge zu ordnen. Zudem hatte sie das Gefühl, dass man ihr etwas verheimlichte. Eine Sache die alles mit einem Schlag erklären würde, aber wollte sie diese Information überhaupt haben? Sie blieb stehen und Bosco setzte sich in den weichen Schnee. Noch eine andere Sache machte sie mürbe. Als Elfin besaß sie magische Fähigkeiten und sie hatte diese bereits benutzt, jedoch unbewusst. Wie sollte sie es schaffen eine Kontrolle über diese Kräfte zu bekommen. Sigurd hatte seine Hilfe deutlich verweigert, obwohl er als Elf der geeignete Lehrer gewesen wäre. Die Elfen selbst konnte sie nicht fragen, da sie Zain versprochen hatte sie nicht aufzusuchen. Zain selbst wollte sie nicht fragen, denn sie bezweifelte dass er ihr helfen würde.

Schnaubend ließ sie sich in den Schnee fallen und blickte in den Himmel, während der Schnee sich um ihren Körper schmiegte. Müde schloss sie die Augen und lauschte dem Brausen des Windes. Ein Flüstern ließ sie aufschrecken. Sie hatte dieses Flüstern bereits einmal gehört, es damals aber als den Wind abgetan. Jetzt glaubte sie, dass es einen anderen Ursprung dafür gab. Der Schnee vor ihr baute sich plötzlich auf und Lynn stand erschrocken auf. Bosco neben ihr begann tief zu Knurren und stellte sich vor sie. Langsam nahm der Schnee die Gestalt von einem Menschen an und Lynn runzelte die Stirn. Die Gestalt vor ihr sah aus wie der Schneemann den Arvid einmal erschaffen hatte. Verwirrt sah sich Lynn um, konnte aber nirgends die Zwillinge oder sonst jemanden erkennen.

»Du bist Lynn die Elfin, nicht wahr?« ,fragte der Schneemann plötzlich.

Erschrocken drehte Lynn sich um und versuchte wegzulaufen, aber ihre Füße waren vom Schnee fest umschlossen. Bosco knurrte noch lauter, genau wie sie war er festgefroren. Der Schneemann bewegte sich auf sie zu und deutete ein Lächeln vor.

»Du brauchst keine Angst haben. Wir haben bereits zusammen gespielt. Erinnerst du dich? Wir haben einen dreikugeligen Menschenschneemann gebaut.«

Lynn runzelte die Stirn und legte dann den Kopf schräg. Der Schneemann lächelte und stand nun direkt vor ihr.

»Ich bin ein Mitglied vom Schneevolk. Arvid hat mich beschworen, damit wir zusammen spielen. Die Zwillinge rufen öfters einen der unseren, damit wir mit ihnen spielen. Wir mögen sie und wir mögen auch dich, darum wollen wir dir helfen.«

»Wobei?« ,fragte Lynn mit zittriger Stimme.

Der Schneemann streckte seine Hand aus und berührte dann mit seinem kalten Zeigefinger ihre Stirn. Ein sonderbares Prickeln überzog erst ihr Gesicht, dann ihren gesamten Körper. Ihre Augen weiteten sich und sie holte schwer Luft. Der Schneemann entfernte seinen Finger, aber das Prickeln blieb noch einen Moment.

»Was war das?« ,fragte sie atemlos.
»Wissen. Da du eine Elfin bist, hast du eine besondere Verbindung zu uns Winterbewohnern, dass macht es mir möglich dich alles zu lehren, was du wissen musst.«

Lynn nickte und blickte zu ihren Füßen. Sofort verschwand der Schnee und sie konnte sich wieder frei bewegen. Er war so einfach gewesen. Sie wusste plötzlich so viele Dinge. So viele Möglichkeiten ihre Kräfte anzuwenden. Sie konnte sogar ein Portal zwischen den Welten öffnen, also hatte sie damals tatsächlich selbst ein Portal geschaffen, als ein Schattenkrieger sie angegriffen hatte. Es war ein sonderbares Gefühl, ähnlich als würde man nach vielen Jahren das erste Mal wieder Fahrrad fahren. Das Wissen, wie man die Pedale betätigen musste, wie man das Gleichgewicht hielt und wie man lenkte, kam sofort wieder. Genauso war es jetzt, als hätte sie es nie verlernt, nur mit dem Unterschied, dass sie es nie gelernt hatte.

»Wie kann ich dir danken?« ,fragte sie den Schneemann.

»Beschützt diese Welt. Der schwarze König darf uns nicht vernichten. Obwohl wir nichts mit dem Tod seiner Frau zu tun hatten, gibt er uns den Winterbewohnern die Schuld.«

»Der Tod seiner Frau?« ,fragte Lynn verwirrt.

»Felizia.« ,sagte der Schneemann nickend.

Lynn starrte die menschliche Schneemasse vor ihr an. Hatte sie das richtig verstanden? Der schwarze König mit dem Zain und seine Familie Krieg führten, war Zains verschollener Vater? Der Schneemann winkte ihr kurz zu, dann war er verschwunden. Ihre Beine zitterten, dann setzte sie sich erschöpft in den Schnee. Bosco schnaubte ihr ins Ohr und leckte über ihre Finger, welche sie zittrig zusammen gefaltet hatte. Abwesend streichelte sie Bosco über seinen breiten Kopf und überlegte was sie tun sollte. Der Schneemann hatte sie gebeten die Winterwelt zu beschützen und somit besonders die wahren Winterbewohner dieser Welt. Doch wie sollte sie alle beschützen, wenn Zain ebenfalls einen Krieg gegen die Elfen führte? Sie grübelte nach. Zain hatte begonnen die Elfen anzugreifen, nachdem diese seine Mutter getötet hatten, doch diese hatten sich erst nur verteidigt. Wenn sie sich richtig erinnerte, dann hatte Zain eine Verwechslung erwähnt, die dazu geführt hatte, dass die Elfen die Weihnachtsfamilie angriffen. Doch warum hatte sich die Familie innerhalb ihrer Reihen gespaltet? Wieso griff Zains Vater seine eigene Familie an? Mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass dieser Krieg viel verworrener war, als sie gedacht hatte. Sie hob den Kopf und sah Bosco an.

»Du gehst jetzt nach Hause.« ,sagte sie streng.

Seine dunklen Augen funkelten sie an und er knurrte wütend. Lynn schnaubte und kraulte ihm das rechte Ohr.

»Gut dann komm mit, aber ich weiß nicht, ob ich schon stark genug bin um uns zwei zu Zain zu bringen.«

Bosco schüttelte den Kopf und Lynn nickte langsam. Ruhig stand sie auf und atmete tief ein. Erst legte sie lediglich ihre Hand auf Boscos Kopf, entschied sich dann aber für eine sicherere Lösung. Also setzte sie sich auf Boscos breiten, kräftigen Rücken und schlang die Arme um seinen massiven Hals. Dann verschwamm die Gegend vor ihr, bevor sie sich wieder neu zusammensetzte.
Lynn atmete schwer aus und löste sich von Bosco. Wo befanden sie sich? Es war immer noch eine Schneelandschaft um sie herum, aber sie war verändert. Der Schnee war rötlich. Verwirrt runzelte sie die Stirn und rutschte von Boscos Rücken hinunter. Bosco neben ihr jammerte leise, doch dann begann er entsetzlich tief und bedrohlich zu knurren. Ihr Herz pochte schneller, als sie die Vibration unter sich spürte. Im nächsten Augenblick wurde der Schnee aufgewirbelt und sie errichtete schnell einen Schutzschild. Sie keuchte und wirbelte herum. Sie rannte neben Bosco her, während der Schnee immer wieder neben oder hinter ihnen aufgewühlt wurde. Plötzlich verstand sie wo sie sich befand. Sie war mitten in einem Kampffeld und die rötliche Verfärbung vom Schnee stammte von Blut. Sie schluckte schwer und rannte weiter.
Ein Pfeil sauste an ihr vorbei und explodierte kaum, dass er auf dem Boden aufschlug. Von der Wucht getroffen wurde sie vom Boden gerissen und flog nach hinten. Hart kam sie auf dem Schnee auf. Bosco lag in einiger Entfernung neben ihr, rappelte sich aber bereits wieder auf. Lynn stöhnte schwer und rollte sich auf den Bauch um besser aufstehen zu können. Sie befand sich zwischen zwei Fronten, stellte sie entsetzt fest, da von beiden Richtungen geschossen wurde.

»Bosco komm her.« ,krächzte sie schwer, während sie zittrig aufstand.

Er eilte zu ihr und Lynn schlang die Arme um ihn. Sie musste weg von hier. Erneut flackerte die Luft bevor sie sich neu zusammensetzte. Orientierungslos blickte sie sich um. Sie befand sich mitten in einer Horde von gepanzerten Kriegern. Erschrocken beförderte sie sich und Bosco an einen anderen Ort und verfiel in eine Art Panik. Überall waren Krieger und starrten sie an. Teilweise wurde sie angegriffen und konnte gerade noch rechtzeitig ihren Standort wechseln.
Die Umgebung änderte sich abermals und sie wollte gerade wieder den Standort wechseln, als sie meinte eine Person zu erkennen. Zittrig ließ sie Bosco los und richtete sich auf. Vor ihr in einigen Metern Abstand stand, Zain mit einem silberglänzenden Brustpanzer. Er hatte sie noch nicht bemerkt, denn sein Blick war starr geradeaus gerichtet und er runzelte die Stirn, wie so oft wenn er über etwas nachdachte. Jetzt da er bemerkte, dass man ihn beobachtete drehte er den Kopf und sah sie an. Er schien wie sie einen Moment zu brauchen, bevor er verstand wer vor ihr war.

»Lynn!« ,sagte er entsetzt und kam auf sie zu geeilt.

Lynn rannte ihm entgegen und warf sich ihm in die Arme. Bosco trottete ihr nach und setzte sich neben seine Herrin.

»Was zum Teufel tust du hier?« ,fragte er sie wütend.

»Der schwarze König ist dein Vater oder?« ,fragte sie stattdessen.

Er sah sie erschrocken an, doch bevor er etwas sagen konnte wurde der Schnee kurz vor ihrem Standort aufgewirbelt und die Erde vibrierte. Zain fluchte und ließ sie los um an seinen Standort zurückzukehren. Dann tat er etwas, was sie noch nie zuvor gesehen hatte, dennoch wusste sie augenblicklich wie es gemacht wurde. Er holte einmal tief Luft, dann hielt er seine Hand wie ein Blasrohr vor seinen Mund und pustete die Luft in seinen Lungen wieder aus. Die Luft dröhnte und dann feuerte er einen riesigen Energieball los, welcher in weiter Entfernung aufschlug.

»Lynn verschwinde von hier.« ,brüllte er wütend zu ihr hinüber.

Sie zuckte zusammen und schlang ihre Arme um Boscos Hals, dann flackerte die Luft. Dennoch erkannte sie im letzten Moment wie er erneut tief Luft holte.
Das Haus der Magesfamilie erschien wieder vor ihr, aber sie blieb erschöpft und geschockt im Schnee liegen. Bosco sträubte sich einmal und legte sich dann ebenfalls neben sie. Zittrig fuhr sie sich durch ihre Haare und spürte wie Tränen über ihr Gesicht liefen. Es konnte einfach nicht wahr sein, wie konnte es hier Krieg geben? Wie konnte der Weihnachtsmann einen Krieg mit seinen Sohn dulden? Bosco neben ihr jaulte leise und sie wischte sich schnell die Tränen weg. Dann stand sie auf und betrat das Haus.
Als sie ins Wohnzimmer kam, blickte Rosette auf und lächelte ihr zu. Dennoch erkannte Lynn zum ersten Mal die versteckte Besorgnis in ihren Augen. Sie wusste was dort drüben vor sich ging und sie sorgte sich um ihre Lieben.

»Da bist du ja wieder. Möchtest du einen Tee?«

Lynn nickte und setzte sich langsam in den gegenüberliegenden Sessel von Rosette. Diese reichte ihr einen heißen Tee und Lynn nippte langsam. Ihre Hände zitterten und Rosette zog eine Augenbraue hoch.

»Alles in Ordnung?« ,fragte sie besorgt.

»Jaja, mir ist nur kalt. Wo sind die Zwillinge?«

»Einen Freund in der Stadt besuchen, sie kommen erst morgen wieder. Ich habe von Zain gehört, dass du ihn am Montag auf den Ball geleiten wirst.« ,sagte sie erfreut und setzte sich wieder.

Lynn nickte und blickte in ihre Tasse. Das Bild von Zain wie er einen unglaublichen Angriff abfeuerte, war noch zu deutlich in ihrem Kopf. Durch das Wissen, dass der Schneemann ihr geben hatte, wusste sie jetzt, dass solch ein Schlag eine Menge Energie brauchte und höchste Konzentration. Dafür war die Zerstörungskraft auch umso gewaltiger.

»Hörst du mir zu?« ,fragte Rosette lachend.

»Entschuldige Rosette. Was hast du gesagt?«

»Ich sagte, dass du und Zain ein hübsches Paar abgibt. Ihr ergänzt euch.«

Lynn lächelte matt und nahm einen kräftigen Schluck von ihrem Tee.

»Ich glaube ich lege mich ein wenig hin, ich fühle mich nicht gut.« ,murmelte Lynn und stellte ihre Tasse ab.

Rosette nickte und blickte ihr besorgt nach. Lynn schlich die Treppen hoch und betrat kraftlos ihr Zimmer. Bosco legte sich schnaubend mitten auf den weißen Teppich in ihrem Zimmer und sie selbst legte sich müde auf ihr weiches Bett. Ihre Finger spielten mit der Herzkette und ihr Herz pochte schmerzhaft vor Sorge. Also waren Zains Erledigungen seit ihrer ersten Begegnung solche Angriffe auf Feinde gewesen? Sie schüttelte sich und eine Gänsehaut überzog ihren gesamten Körper. Sie hoffte dass er gesund wieder kam.

Lynn lag immer noch auf ihrem Bett und starrte zur Decke hinauf. Seit Stunden hatte sie keinen ruhigen Gedanken mehr fassen können und ihre Sorge um Zain zerfetzte sie von innen. Es war stockdunkel in ihrem Zimmer, aber sie wollte das Licht nicht anmachen. Rosette war einmal gekommen und hatte sie gefragt, ob sie etwas essen wolle, aber sie hatte verneint. Sie hatte keinen Hunger und fühlte sich sonderbar leer in ihrem Inneren.
Sie hörte wie es leise an der Tür klopfte und sie richtete sich schlagartig auf. Zögernd öffnete sich die Tür und sie erkannte Zain. Ihr Herz schlug für eine Sekunde schneller, dann wieder ruhig da sie wusste, dass es ihm jetzt gut ging. Er nährte sich ihr und setzte sich dann auf ihre Bettkante. Er räusperte sich, doch bevor er etwas sagen konnte fiel sie ihm um den Hals und begann zu schluchzen. Ihr Körper zitterte wie noch nie in ihrem Leben und sie bekam kaum Luft.

»Es geht dir gut.« ,sagte sie erleichtert.

»Lynn.« ,flüsterte er überrascht.

Sie löste sich von ihm und sah ihm ins Gesicht. Schmerz lag in seinen Augen und er wischte eine ihrer Tränen sanft weg.

»Ich wollte dir keine Sorgen machen.« ,murmelte er leise.

»Und deshalb verheimlichst du mir, dass du dein Leben aufs Spiel setzt, wenn du mit Nicolo und Sigurd weg bist?«

»Du hast heute einen schlechten Tag erlebt. Für gewöhnlich kommt es nie zu einem Kampf. Es war eine unerfreuliche Situation. Ein Hinterhalt.«

»Von wem? Deinem Vater?«

Zain seufzte schwer und senkte den Blick. Lynn schluckte und wich von ihm. Er sah sie besorgt und flehend an.

»Lynn du verstehst das nicht und es dir zu erklären will ich dir ersparen. Du sollst die schönen Seiten dieser Welt sehen und nicht ihre Schattenseite. Bitte vergiss es wieder.«

»Wie kann ich so etwas vergessen? Jedes Mal wenn du jetzt weg gehst, werde ich nicht mehr ruhig atmen und denken können. Zain ich bin ein Teil dieser Welt, auch wenn es mir noch schwer fällt es zu verstehen, aber man hat mich gebeten diese Welt zu schützen.«

Plötzlich war er direkt vor ihr und hatte sie fest an den Schultern gepackt und funkelte sie wütend an. Er drückte sie in ihr Bett und beugte sich über sie. Sie konnte seinen wütenden Atem auf ihrem Gesicht spüren.

»Ich hatte dir verboten mit den Elfen zu sprechen und du hast dein Versprechen gebrochen.« ,sagte er wütend.

»Ich habe mich an das Versprechen gehalten. Ein Mitglied des Schneevolks hat mir geholfen und mich gebeten diese Welt zu schützen.«

»Wobei hat dir ein Schneevolkmitglied geholfen?« ,fragte er verwirrt.

»Er hat mir Wissen gegeben. Wissen darüber wie ich meine Kräfte verwenden kann. Wie sonst hätte ich zu dir kommen können?«

Er sah sie sprachlos an und schüttelte dann den Kopf. Er lag immer noch über ihr und hatte sie in seinem Griff, aber jetzt wurde sein Griff sanft und er seufzte.

»Wieso hast du mich nicht einfach gefragt?« ,flüsterte er mit einem enttäuschten Unterton.

»Ich dachte du würdest es mir nicht beibringen.« ,sagte sie überrascht.

»Ach Lynn. Ich würde dir bei allem helfen, wenn es dich glücklich macht.«

Sie war überrascht von seinen Worten und als er sich von ihr entfernte, fühlte sie sich schuldig. Er stand von ihrem Bett auf und verließ ihr Zimmer. Lynn blieb zurück in der Dunkelheit und starrte in die Leere.

Die Flammen züngelten an dem Auto, aus welchem Schreie klangen bevor sie jäh erstarben. Menschen eilten auf die Straßen und schrien ängstlich. Sie riss sich von der Umklammerung ihrer Großmutter los und rannte dem Wrack entgegen, welches ihre Eltern beinhaltete. Der LKW Fahrer taumelte aus seinem Fahrzeug, eine Platzwunde am Kopf. Lynn beachtete ihn nicht, sondern lief schreiend und weinend näher an das Auto. Jemand der umstehenden Passanten hielt sie fest, während sie zerrend und schreiend versuchte ihre Eltern zu erreichen. Die Luft war erfüllt mit dem Geruch verbrannten Fleischs und Öl.
Lynn schrak jäh aus ihrem Traum, ihrer Erinnerung an jenes Weihnachtsfest vor einem Jahre auf. Zittrig fuhr sie sich durch ihr Gesicht. Der LKW Fahrer hatte bei Gericht seine Fahrerlaubnis für ein halbes Jahr entzogen bekommen. Laut seiner Aussage, war jemand auf die Straße gesprungen und er hatte ausweichen müssen, dabei hatte er das Auto ihrer Eltern erwischt. Man hatte die Person nie gefunden, welche angeblich auf die Straße gesprungen war.
Schnaubend legte sie sich zurück in ihr Kissen, aber sie fand keine Ruhe mehr, also stand sie auf und setzte sich an ihren Schreibtisch. Sie machte das Licht an und öffnete ihr Mathebuch. Gerade in diesem Fach musste sie unbedingt aufholen, denn trotz ihrer überaus guten Noten in sämtlichen Fächern, war Mathematik ihre einzige Schwäche. Sie wurde einfach nicht schlau aus diesen Zahlen, Formeln und Rechenwegen. Sie begann einige Ziffern in ihren Taschenrechner zu tippen, als ein Luftzug sie aufblicken ließ. Erschrocken zuckte sie zusammen und brauchte einen Moment um ihr Herz zu beruhigen. Auf ihrem Bett im Schatten der Dunkelheit saß Zain und blickte zu ihr hinüber. Er musterte sie neugierig und Lynn seufzte.

»Wie lange bist du schon hier?«

»Nicht sonderlich lange. Was machst du da? Es ist mitten in der Nacht.«

»Was machst du hier? Es ist mitten in der Nacht.« ,erwiderte sie.

»Ich wollte nach dir sehen. Das mache ich immer, außer als ich eh eine Nacht bei dir gewacht habe und du gestern bei mir geschlafen hast. Ansonsten schaue ich immer in der Nacht nach dir.«

»Warum?« ,fragte Lynn verwirrt.

»Ich will nur wissen, ob es dir gut geht und ob du noch da bist.«

»Wo soll ich denn sein?«

Er antwortete nicht und stand jetzt auf und kam auf sie zu. Er blickte über ihre Schulter und Lynn drehte sich wieder zu ihren Aufgaben um.

»Hast du Probleme damit?« ,fragte er plötzlich.

»Ja. Frag mich nicht warum, aber Mathe liegt mir einfach nicht. Ich werde nicht schlau aus diesen Dingen.«

»Steh mal auf.«

Gehorsam stand sie auf und er setzte sich auf ihren Platz. Sie fand es lieb von ihm, sich diese Sachen anzusehen, aber sie bezweifelte, dass er etwas davon verstand. Dann zog er sie plötzlich auf seinen Schoss und Lynn spürte wie sie leicht rot wurde. Er schlang den linken Arm um sie und stützte seinen Kopf auf ihre Schulter. Dann fasste er mit der rechten ihren Bleichstift und begann einige Formeln aufzuschreiben. Überrascht blickte Lynn zu ihm hinunter. Konnte er etwa tatsächlich diese Dinge?

»Also Lynn es ist wirklich ganz einfach.« ,begann er.

Fassungslos lauschte Lynn ihm und konzentrierte sich auf seine ausführlichen Erklärungen. Er beantwortete jede ihrer Fragen ruhig und verständlich. Es dauerte daher nicht lange und sie hatte die Aufgabe gelöst, ohne dass er ihr den Weg vorrechnete oder zu viel vorweg verriet.

»Siehst du. Es ist nicht schwer, es ist rein logisch und wenn man den Dreh einmal raus hat, kommt der Rest von alleine.«

»Woher kannst du dieses ganze Zeug?« ,fragte sie sprachlos.

»Nicolo hat einen sehr strengen Lehrplan. Er sagt man muss auch das wissen, was man euch beibringt, sonst kann man euch nicht verstehen. Außerdem meint er, dass wir lang genug leben. Im Übrigen ist es ganz amüsant.«

»Danke.« ,murmelte sie leise.

»Wie gesagt, ich helfe dir wenn es dich glücklich macht, oder dir sonst irgendwie hilft.«

Sie nickte und drehte sich zu ihm um und küsste ihn dann. Vorsichtig strich sie mit ihrer Zunge über seine Lippen und er riss sich von ihr erschrocken los. Lynn sah ihn ängstlich an.

»Habe ich etwas falsch gemacht?« ,fragte sie atemlos.

»Was hast du da gemacht?« ,fragte er keuchend.

Lynn runzelte die Stirn und lächelte dann.

»Sag bloß, so eine Art von Kuss kennt ihr nicht.« ,sagte sie vergnügt.

»Das sollte ein Kuss sein?« ,fragte er verwirrt.

»Er war noch nicht fertig.« ,sagte sie kichernd und beugte sich zu ihm hinunter.

Sie küsste ihn erneut und öffnete mit ihrer Zunge sanft seine Lippen. Als sie seine Zunge spürte, flatterte ihr Herz auf und Zain krallte sich plötzlich an sie und hob sie hoch. Sie schlang ihre Beine um ihn und er trug sie zu ihrem Bett. Er drückte sich an sie und Lynn fuhr mit ihren Händen unter sein Oberteil. Sie spürte wie seine Hand ebenfalls langsam unter ihr Oberteil wanderte, doch bei ihrem Bauchnabel hielt er inne und zog sich von ihr zurück. Ihr Atem ging unruhig und sie schluckte schwer.

»Nein Lynn. Lass uns warten.« ,murmelte er.

Sie sah ihn überrascht an und die Röte schoss ihr ins Gesicht. Räuspernd setzte sie sich wieder auf und griff nach ihrem Kissen, welches sie feste an sich drückte. Er lächelte und biss sich auf die Lippe.

»Es ist aufregend einen Kuss von dir zu bekommen. In mir ist alles aufgewühlt, ist das normal?« ,fragte er schmunzelnd.

»Vielleicht.« ,murmelte sie verlegen.

Er grinste breit und beugte sich wieder zur ihr vor. Seine Hand strich durch ihre Haare und legte sich warm in ihren Nacken. Dann küsste er sie erneut. Es war ein zärtlicher, vorsichtiger Kuss, der nicht lange anhielt, da er begann ihr Gesicht zu liebkosen. Behutsam küsste er ihre Wangen, ihre Augenlider ihre Nasenspitze, dann wieder ihre Lippen.

»Hattest du einmal einen Freund?« ,fragte er plötzlich.

»Ja.« ,antwortete sie nach einer Weile.

Zain verkrampfte sich plötzlich und sie sah zu ihm auf. Sein Blick war hart bevor er wieder sanft wurde.

»Wundert es dich etwa? Du hattest doch schließlich auch Mireille und mit Sicherheit noch ein paar junge Damen mehr.«

»War es ernst zwischen dir und ihm?«

»Wieso interessiert es dich so?«

»Beantworte einfach die Frage.« ,knurrte er.

»Nein. Bevor es zwischen uns wirklich etwas werden konnte war er mit einer anderen zu Gange. Es war also keine richtige Liebe.«

»Also bin ich deine erste Liebe?« ,fragte er neugierig.

Sie zögerte ihre Antwort heraus und spürte wie er ungeduldig wurde. Er grummelte etwas und sie blickte zu ihm auf.

»Ich weiß nicht, aber es könnte gut sein.«

Er lächelte breit und drückte sie eng an sich.

»Das ist gut, denn du bist die Erste, die mein Herz bekommt und nicht nur meine Präsenz.«

Er hatte seine Arme feste um sie gelegt und seine Stirn lag an ihrer Schulter. Lynn legte ihren Kopf an seinen und schloss die Augen. Sie verstand zwar nicht, was in dieser Welt vor sich ging und sie verstand auch noch nicht wirklich, dass sie eine Elfin war. Aber was sie verstand war, dass Zain sie liebte und für den Moment reichte ihr das völlig.
5.12.14 18:40
 
Letzte Einträge: Kapitel 14, Kapitel 16, Kapitel 17, Kapitel 18, Kapitel 19


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung