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Kapitel 17

Warmer Sonnenschein fiel vom Himmel und Lynn überblickte die Landschaft. Am Abend hatte sie nur ein kleines Ausmaß dieses Wunders sehen können. Eine gigantische Wiesenlandschaft auf welcher wilde Blumen wuchsen und vereinzelt Bäume standen. Ein kleiner Bach schlängelte sich durch die flache Ebene und verschwand irgendwo am Horizont. Vögel zwitscherten und flogen über ihren Kopf hinweg, gefolgt von einer sommerlichen Brise. Sie hatte nicht gewusst, dass es solch einen Ort in der Winterwelt gab. Befremdlich war nur die schwere Eisentür, die mitten in dieser Landschaft stand. Sie zog die weiche, dünne Decke näher an sich und blickte dann auf den Ring an ihrem linken Ringfinger. Sie musste wahnsinnig geworden sein, dass hätte zu mindestens ihre Mutter gesagt. Sie hatte sich tatsächlich verlobt, mit jungen siebzehn Jahren. Sie blickte neben sich hinunter und betrachtete den schlafenden Zain. Er lag die Arme nach oben ausgestreckt auf dem Rücken und schnarchte leise vor sich hin. Sie beugte sich zu ihm hinunter und gab ihm einen kurzen Kuss auf die Stirn.
Langsam stand sie auf und schlich hinter die dicke Eiche. Sie hatte dort bereits einige Kleidungsstücke aus ihrem Schrank entdeckt. Er hatte wirklich alles vorbereitet. Ruhig zog sie sich an und schaute noch einmal nach Zain. Er lag unverändert auf der breiten Decke. Barfuß entfernte sie sich von ihrem Platz unter der Eiche und spazierte durch diese herrliche Landschaft. Ein wenig Tau hing noch an den Gräsern und befeuchtete ihre blaue Jeans. Es war einfach ein wunderschöner Ort. Sie drehte sich ein paar Mal im Kreis und ließ sich dann ins weiche Gras fallen. Ein paar Schmetterlinge flatterten aufgeregt weg und Lynn atmete tief den Geruch des nassen Grases ein. Obwohl sie den Winter mochte, war der frühe Sommer ihr noch lieber. Sie streckte ihren linken Arm und blickte auf den weißen Edelstein ihres Rings. Für ihn gab sie ihre Welt auf und damit den Jahreszeitenwechsel in ihrer Welt. Vielleicht konnte sie öfters an diesen Ort kommen, damit ihr der Winter nicht überdrüssig wurde. Sie setzte sich wieder auf und entschied sich zurück zur Eiche zu gehen.
Als sie die Eiche erreichte erkannte sie, dass Zain nicht da war. Ein wenig ängstlich suchte sie ihn, fand ihn aber nirgends. Sie überblickte das weite Gebiet, aber sie konnte ihn nirgends ausmachen.

»Zain?« ,rief sie laut.

»Hier oben.« ,rief er plötzlich.

Sie blickte in das dichte Blattwerk der Eiche und erkannte ihn zwischen ein paar dicken Ästen sitzen. Er lächelte ihr zu und sie winkte ihm. Dann begann sie ebenfalls die dicke Eiche zu erklimmen. Es war recht einfach, da die Äste nah beieinander standen und genügend Griffe boten. Schnell hatte sie ihn erreicht und setzte sich ihm gegenüber auf einen dicken Ast.

»Wie hast du geschlafen?« ,fragte er munter.

»Sehr gut und selbst?«

»Rundum zufrieden. Gefällt es dir hier?«

»Ja. Was ist das für ein Ort?«

Zain sah kurz über das Tal und lächelte breit.

»Mein Vater hat diesen Ort für meine Mutter geschaffen. Ihr fehlten die Jahreszeiten, also erschuf Casimiro einen Ort, der die drei Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst durchlief um sie zu erheitern. Sie sind oft zusammen hierhergekommen und einmal hat mein Vater mich mitgenommen und mir diesen Ort anvertraut. Sollte ich einmal ein Menschenmädchen heiraten solle ich ihr diesen Ort schenken, damit er sie genauso glücklich macht wie meine Mutter.«

Lynn lächelte und nickte dankend. Allem Anschein war Zains Vater Casimiro nicht immer ein schwarzer König gewesen. Er musste seine Frau Felizia wirklich sehr geliebt haben.

»Wie hast du dir das eigentlich vorgestellt? Soll ich zu meiner Familie gehen und ihnen sagen, dass wir verlobt sind und ich mit dir komme?« ,fragte sie plötzlich bedrückt.

»So in etwas, ja.« ,sagte er grinsend.

»Das geht nicht Zain. Ich bin nicht volljährig und ich unterliege dem Sorgerecht meines Onkels. Er wird mich nicht einfach gehen lassen, ehe ich nicht achtzehn bin und mein Abitur habe.«

Zain schwieg und seufzte dann schwer. Ein trauriger Ausdruck lag in seinem Gesicht und er schnaubte.

»Dann werde ich wohl ein Jahr auf dich warten müssen.« ,sagte er erschöpft.

»Bis zum Abitur ist es nur ein halbes Jahr und ich kann an den Wochenenden zu euch kommen.«

»Das geht nicht. Das Portal zwischen unseren Welten ist nur etwa ein Monat vor Weihnachten geöffnet und schließt sich nur wenige Tage nach Weihnachten. Wir wären ein Jahr getrennt.«

Lynn sah ihn überrascht an, das hatte sie nicht gewusst. Deshalb war er mit allem so eilig. Er hatte gehofft noch bevor das Portal sich für ein Jahr schloss, sie endgültig bei sich behalten zu können. Lynn kletterte zu ihm hinüber und hob sein Kinn an, damit er ihr in die Augen sah.

»Zain. Wenn dir so viel daran liegt, werde ich hier bleiben. Du bringst mich Weihnachten einfach nicht wieder zurück. Ich werde ein für immer verschollenes Mädchen sein und gut ist. Ich fange hier neu an, für dich.«

Er sah sie mit weit aufgerissenen Augen an und schüttelte dann energisch den Kopf.

»Nein Lynn. Ich weiß wie hart du gearbeitet hast um jetzt dein Abitur machen zu können. Ich kann dich nicht von deiner Familie brutal trennen. Du sollst sie weiterhin besuchen können, wenn auch nur zur Weihnachtszeit. Nein ich werde hier auf dich warten, bis du alles in Ruhe geregelt hast.«

Er legte eine Hand in ihren Nacken und lehnte seine Stirn an ihre. Lynn schloss die Augen und griff nach seiner anderen Hand. Sie drückte diese sanft und schnaubte dann.

»Jetzt erzähl doch mal. Wie hast du das alles hier organisieren können, ohne dass ich etwas davon bemerkt habe?«

Er lachte laut und ließ ihren Nacken los. Ruhig strich er ihr über ihr Gesicht und küsste dann ihre Hand.

»Meine Erledigungen sind nicht immer nur mit dem Krieg verbunden. Es war der Freitag, als ich morgens früh bereits weg war und erst spät wieder gekommen bin. Du bist mir später weinend um den Hals gefallen, weil du dir so Sorgen um mich gemacht hattest.«

Lynn sah ihn überrascht an. Das war letzten Freitag gewesen, also hatte er noch nicht allzu lange mit dem Gedanken gespielt sie zu heiraten, oder doch? Er schien ihre Gedanken gelesen zu haben, denn er lächelte und zog sie näher an sich.

»Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt dich zu heiraten, aber ich musste auf den richtigen Moment warten.«

»Wieso hast du mich während des Balls gefragt?« ,schnaubte Lynn schwer.

»Es war der geeignete Moment. Alles war festlich und jeder sollte sehen, dass ich es ernst mit dir meine.«

»Du bist verrückt.«

»Ich weiß.« ,sagte er lachend.

Sie kletterten von der massiven Eiche hinunter und begannen dann einen langen ausgiebigen Spaziergang. Lynn hatte sich bei ihm eingehakt und sah den Vögeln nach, welche über den Himmel davon flogen.

»Wie weit ist dieser Ort eigentlich?«

»Unendlich. Deshalb muss man aufpassen sich nicht zu verirren. Man kann an diesen Ort kein Portal öffnen und es betreten oder verlassen wie man will. Man muss die Tür benutzen.«

»Hast du keine Sorge, dass andere an diesen Ort gelangen?«

»Nein, nur wir beide können ihn betreten und vielleicht einmal unsere Kinder. Dieser Ort wird weitergegeben. Fremde können ihn nicht betreten.«

Als er die Kinder erwähnte, spürte Lynn wie ihr heiß wurde. Daran hatte sie noch gar nicht gedacht. Sie liebte Zain, aber Kinder? Der Gedanke an ein Kind war beängstigend, sie wollte noch kein Elternteil werden.

»Lynn entspann dich. Du vergisst, dass du jetzt viel älter wirst. Zum einen, weil du eine Elfin bist, zum anderen weil du mich heiraten wirst. Ich lasse dir alle Zeit der Welt mit dem Nachwuchs.«

Lynn sah ihn überrascht an und nickte dann. Sie vergaß immer, dass er bereits sehr viel älter war als sie. Er lächelte sie an und sie schlenderten weiter.

»Sag mal wie alt ist Sigurd?« ,fragte sie nach einer Weile.

»Warum fragst du?«

»Er ist ein Elf, mich interessiert wie alt er ist, weil er noch recht jung aussieht.«

»Er hat dir tatsächlich sein Geheimnis verraten? Soweit ich weiß ist Sigurd um einiges älter als Nicolo.«

»Werden Elfen älter als ihr?« ,fragte sie leise.

»Es ist in etwa dieselbe Lebensspanne.« ,sagte er ruhig.

»Aber warum sieht Sigurd dann so jung aus?«

»Das liegt daran, dass Nicolo und auch Rosette ihre Körper haben altern lassen. Sie wollten nicht als Großeltern so aussehen wie Eltern ihrer Enkel. Ihre jetzige körperliche Gestalt haben sie schon ein paar Jahrzehnte.«

Lynn nickte erleichtert. Es wäre schrecklich gewesen zu wissen, dass sie als Elfin Zain überleben würde. Was würde sie dann noch hier halten?

»Was ist mit den Zwillingen? Sind sie wirklich so kindlich oder verstellen sie sich?«

»Die Zwillinge halten ihr kindliches Aussehen bereits seit zwanzig Jahren. Es ist schwer zu erklären, da wir länger leben dauern manche Lebensspannen länger. Eigentlich wären die Zwillinge jetzt mehr in deinem Alter vom Aussehen, aber sie mögen es Kinder zu sein. Wenn du einmal deine körperliche Gestalt veränderst oder die jetzige aufgibst, kannst du nicht in dieses Stadion zurückkehren. Deshalb bleiben sie so lange wie möglich Kinder.«

»Soll das heißen, sie geben nur vor Kinder zu sein?«

»Mehr oder weniger. Wie gesagt, es ist schwer zu erklären.«

Lynn blieb stehen und setzte sich auf die Erde. Zain ließ sich neben ihr nieder und streckte sich dann aus. Lynn grübelte über das was Zain ihr gerade gesagt hatte. Es würde so einiges erklären, warum die Zwillinge, besonders Aaron manchmal nicht wie ein Kind wirkte. Besonders kurz vor ihrer Verlobung mit Zain hatte sie es gespürt. Die Zwillinge waren angespannt gewesen und nicht wie Kinder aufgeregt. Sie legte sich neben Zain auf den Bauch und blickte in die Landschaft zurück zur Eiche.
Zain döste wieder neben ihr, aber sie fand keine Ruhe. Sie war innerlich aufgewühlt, aber sie wusste nicht warum. Ihr Herz pochte aufgeregt und ihre Finger kribbelten. Erneut betrachtete sie den weißen Edelstein an ihrem Ring und strich über ihn. Überrascht wiederholte sie diese Bewegung. Der Edelstein vibrierte, deshalb kribbelten ihre Finger, doch warum? Verwirrt blickte sie wieder über die Landschaft und erkannte am Horizont in der Nähe der Metalltür eine Gestalt stehen. Sie war in schwarz gekleidet und blickte zu ihnen hinüber. Erst dachte sie es wäre Sigurd, aber die Gestalt war breiter und ein wenig kleiner. Erschrocken setzte sie sich auf und in diesem Moment verschwand die Gestalt durch die Tür.

»Zain.« ,flüsterte sie aufgeregt.

Sie rüttelte ihn wach und er kam erschrocken zu sich.

»Was ist los?« ,fragte er besorgt.

»Da drüben stand jemand.« ,sagte sie keuchend.

»Ach Lynn, das kann nicht sein.«

»Aber ich bin mir sicher. Eine schwarze Gestalt und sie hat hier herüber gesehen.«

Er setzte sich auf und blickte an die Stelle auf die sie zeigte. Er schnaubte und strich ihr über den Rücken.

»Du bist bestimmt eingenickt und hast dir das eingebildet. Niemand außer uns beiden kann diesen Ort betreten.«

Ein wenig unsicher nickte sie und griff dann nach Zains Hand.

»Lass uns gehen.« ,flehte sie.

Er nickte und Lynn eilte zur Eiche zurück. Sie raffte ihr Kleid zusammen und wartete geduldig auf Zain, während er in aller Ruhe seine Kleider zusammen faltete und in einem Korb verstaute. Dann kam er zu ihr hinüber und hielt ihr die schwere Eisentür auf. Kalter Wind schlug ihr entgegen und im nächsten Moment stand sie wieder in der weißen Winterlandschaft. Leise schloss Zain das Portal und legte ihr dann eine Hand auf die Schulter. Erneut hielt er ihr eine Tür auf und Lynn trat ins warme Haus des Weihnachtmanns.
Das Wohnzimmer war verlassen und sie gingen plaudernd die Treppen hoch. Vor ihrem Zimmer machten sie einen kleinen Stopp, damit sie ihr Kleid aufhängen konnte und folgte dann Zain in sein Zimmer.

»Wo sind denn alle?« ,fragte Lynn und lehnte sich an den Türrahmen.

»Ich nehme an in der Werkstatt. Wenn du willst können wir hinunter gehen und ihnen helfen.«

»Gern, aber ich weiß nicht ob ich geschickt genug bin. Die Zwillinge haben mir ihre Werke gezeigt. Sie sind wirklich gut.«

»Ja sie sind Nicolos ganzer Stolz in solchen Sachen. Ich hab zwei linke Hände wenn es ums Nähen von Stofftieren geht. Ich kümmere mich mehr um den Papierkram und die Organisation.«

Er sah sie achselzuckend an und griff dann nach ihrer Hand. Sie kehrten den Weg zum Wohnzimmer wieder zurück und nahmen dann eine weitere Treppe hinunter in die Werkstatt. Der Lärm schlug ihr bereits auf halben Weg entgegen und als sie unten ankamen erkannte Lynn, dass in der Werkstatt unglaubliche Hektik und Chaos herrschte.

»Wir sind gut im Geschäft, aber vor Weihnachten ist immer viel zu tun. Da drüben ist Rosette, willst du ihr helfen? Sie macht Weihnachtskugeln.«

Lynn nickte zögerlich und Zain zog sie begeistert mit sich. Sie schlängelten sich durch die herumlaufenden Massen von Zwergen, welche aufgeregt zwischen ihren Werkbänken hin und her liefen. Jemand sprang ihr auf den Rücken und sie wäre beinah gestürzt, wenn Zain sie nicht aufgefangen hätte.

»Arvid nicht so stürmisch.« ,rief sie erschrocken.

»Hallo Lynn. Kommst du uns hier unten helfen?« ,fragte er amüsiert.

»Ich versuche es.«

»Du kannst auch nachher zu Aaron und mir kommen. Du könntest die Teddys ankleiden und in Geschenkkartons packen und sie mit bunten Papieren und Schleifen dann einwickeln.«

Lynn schnaubte und setzte Arvid auf dem Boden ab. Seine blonden Locken standen wild ab und seine dunklen Augen funkelten flehend.

»Ich komm später vorbei.« ,versprach sie.

Er sprang ihr um den Hals und drückte ihr einen Kuss auf die Wange, dann war er zwischen den Zwergen verschwunden. Zain neben ihr seufzte schwer.

»Ich bin nur froh, dass du die beiden nicht als junge Männer kennen gelernt hast. Ich glaube die beiden wären eine große Konkurrenz für mich geworden. Zumal sie noch jünger als ich sind.«

»Ich glaube es ist egal in welchem Alter sie sind. Für mich sind sie wie kleine Brüder.«

»Obwohl sie älter sind als du?« ,fragte er scherzend.

»Ach du weißt was ich meine.«

Er lachte laut und zog sie weiter durch das Gemenge, bis sie endlich Rosette erreichten. Sie stand über einem massiven dunklen Kessel, in welchem eine milchig trübe Masse vor sich her blubberte. Lynn blickte neugierig in den Topf. Immer mal wieder zerplatzte schmatzend eine Blase, bevor sich unter ihr bereits eine neue Blase bildete. Rosette trug über ihrem blauen Kleid eine weiße Schürze, welche bereits einige Farbkleckse hatte.

»Hallo ihr zwei. Wie geht es euch?« ,fragte sie liebevoll.

»Gut. Lynn wollte dir helfen. Kannst du ihr erklären, was sie machen muss? Und weißt du wo Nicolo ist?«

»Nicolo ist neben an im Stall bei den Rentieren. Ich glaube er bringt den Flugschlitten auf Vordermann.«

»Nicolo fliegt wirklich mit einem Schlitten durch die Luft?« ,fragte Lynn begeistert.

»Natürlich. Ein bisschen ist auch an euren Märchen vom Weihnachtsmann dran.« ,sagte Rosette lachend.

Zain nickte und drückte ihr noch einen Kuss auf die Lippen bevor er sich davon machte. Rosette sah ihm nach und seufzte dann leise.

»Er ist sehr wie sein Vater. Casimiro war auch so schrecklich stark in Felizia verliebt. Ihr Tod hat ihn den Verstand gekostet. Aber was rede ich da. Hier nimm dir eine Schürze und pass gut auf.«

Lynn nahm die Schürze entgegen und band sie sich schnell um. Rosette hielt ihre Hand über den Topf und langsam sonderte sich eine runde Blase ab. Rosette hielt ihre zweite Hand unter die Blase und nun schwebte diese zwischen ihren Händen.

»Siehst du, du fängst eine solche Blase ein und dann kannst du sie nach deinen Wünschen formen und verändern.«

Während sie sprach bewegte sie ihre Hände, als würde sie die Kugel durchkneten und langsam veränderte die Blase ihre Gestalt. Sie war nun Kegelförmig und lief spitz zu.

»Wenn du zufrieden bist, lässt du sie auskühlen. Dazu musst du sie anpusten.«

Rosette holte tief Luft und pustete dann ihr Werk an. Lynn konnte förmlich erkennen wie kalt ihr Atem war und die Kugel knirschte leise. Dann landete sie sanft in Rosettes untere Hand.

»Dann brauchst du sie nur noch anmalen. Versuch es einfach mal und sei nicht enttäuscht, wenn es nicht sofort klappt. Ich habe sehr viele Jahre gebraucht, bis ich es wirklich konnte. Aber das soll dich jetzt nicht entmutigen. Ich bin besser in der Küche.«

Lynn lächelte sie an und hielt ihre Hand über den Kessel. Eine Blase sonderte sich ab und Lynn führte schnell ihre linke Hand unter die Blase. Dann bewegte sie langsam ihre Hände um ein Gefühl für diese sonderbare Benutzung von Magie zu bekommen. Allmählich wurde die Blase länglicher und Lynn bewegte vorsichtig ihre Finger. Sanft fuhren mehrere Kerben in die weiche Masse und bildeten ein gedrehtes Gebilde. Als sie zufrieden war pustete sie sanft und die fertige Kugel fiel in ihre linke Hand. Rosette klatschte begeistert in die Hände.

»Du bist ein Naturtalent. Sie ist wirklich sehr schön geworden. Jetzt bedien dich an den Farben und lass deiner Kreativität freien Lauf.«

Lynn nickte wieder und fädelte zuerst einen dünnen Faden durch den Kegel. Dann tauchte sie die Kugel in eine weiße Farbe und ließ diese gut abtropfen, bevor sie wieder pustete und die Farbe trocknete. Dann fügte sie mit einem Pinsel silberglitzerndes Pulver hinzu und hängte den Kegel dann zum austrocknen.
Die Arbeit mit Rosette machte Spaß, da diese viele lustige Geschichten über Zain und die Zwillinge erzählte. Sie lachten herzlichst und Lynn erzählte selbst einige Dinge aus ihrer Kindheit. Rosette fragte sie nach Veränderungen auf ihrer Welt aus und erzählte ihr über Dinge in ihrem Leben. Lynn war überrascht zu erfahren, dass Rosette aus dem späten Mittelalter stammte, aber sie wollte nicht weiter darauf eingehen. Es mussten damals schwierige Zeiten gewesen sein, umso mehr freute sich Lynn für Rosette, dass sie jetzt hier in der Winterwelt war.

Irgendwann am frühen Nachmittag kam Arvid zu ihnen und entführte sie dann zu der Werkstatt der Zwillinge. Fortan kleidete sie Teddys in allen Größen, Farben und Formen an und verstaute diese in Kartons. Die Zwillinge plapperten ununterbrochen und fragten sie zu allem nach ihrer Meinung. Was ihre Arbeit anging waren die beiden sehr kritisch und hier spürte Lynn erneut, dass sie eigentlich keine Kinder mehr waren.

»Freust du dich schon auf den nächsten Ball?« ,fragte Arvid fröhlich.

»Ich denke schon, außer es gibt schon wieder Überraschungen.« ,sagte sie scherzend.

»Der goldene Ball ist ein Maskenball.« ,sagte Aaron grinsend.

»Ein Maskenball?« ,fragte sie verwirrt.

»Jep. Jeder der mag kann eine Maske anziehen, aber sie muss in Gold sein versteht sich.« ,erklärte Aaron.

»Werdet ihr euch verkleiden?« ,fragte Lynn neugierig.

»Natürlich du doch auch oder?« ,fragte Arvid lächelnd.

»Hast du eigentlich keinen Hunger?« ,fragte Aaron plötzlich.

»Es hält sich in Grenzen.«

»Wir können gleich etwas essen gehen. Sag mal Lynn du bleibst doch jetzt für immer hier oder?« ,fragte Aaron leise.

»Fürs erste nicht.« ,sagte sie leichthin.

»Was?« ,fragte Arvid aufgebracht und ließ den Teddy fallen, den er ihr gerade bringen wollte.

»Es ist nur ein Jahr. Ich muss in meiner Welt einiges regeln. Ich habe es schon mit Zain abgesprochen.«

»Das ist nicht fair. Wir verpassen ein ganzes Jahr mit dir. Deinen Geburtstag und auch sonst alle Feste die es hier gibt. Es ist nicht fair.« ,jammerte Arvid.

»Die Zeit geht schnell um. Außerdem dürfte ein Jahr für euch doch gar nichts sein. Ihr werdet es überleben.« ,sagte sie schnaubend.

»Unfair.« ,murmelte Arvid und hob den Teddy wieder auf.

Für die restliche Zeit sprach Arvid kein Wort mehr und sie sah seine kleine Gestalt seufzend an. Irgendwie benahm er sich doch noch wie ein Kind. Vergnügt über seine Reaktion, wendete sie sich wieder ihrer Arbeit zu.
7.12.14 18:31


Kapitel 16

Der nächste Montag war viel zu schnell gekommen und Lynn seufzte innerlich. Sie war absolut nicht in der Stimmung für einen weiteren Ball. Die zweite Farbenwoche hatte bereits vor ein paar Tagen angefangen und blau war nun die Pflichtfarbe.
Sie hatte sich bereits nach dem Mittag zurückgezogen um sich fertig zu machen. Lynn blubberte in das warme Schaumbad und tauchte ein weiteres Mal ganz unter die Wasseroberfläche. Ohne es zu wollen, hatte sie letztes Mal den Maßstab für sich selbst sehr hoch gesteckt. Alle würden nach ihr sehen und wenn sie nicht wieder einen ungewollt großen Auftritt hinlegte, würde man noch mehr über sie reden. Dazu kam, dass sie Zain als Partnerin in zweierlei Punkten begleitete. Zum einen als seine Tanzpartnerin, zum einen als seine Freundin. Sie tauchte wieder auf und wischte den Schaum von ihrem Gesicht. Sie schnaubte schwer und als sie die Augen öffnete schrie sie erschrocken auf. Zain lachte vergnügt auf und Lynn spritzte ihm Wasser entgegen.

»Du sollst mich nicht immer erschrecken!« ,rief sie wütend.

»Ich habe mir nur Sorgen gemacht. Ich dachte schon du würdest versuchen dich zu ertränken.«

Sie unterdrückte ein Schnauben matt und spielte mit einem der riesigen Schaumberge. Zain sah ihr dabei zu und lächelte ihr zu, als sie aufblickte.

»Mach dir nicht so viele Gedanken Lynn. Mir ist egal was die Unkas sagen werden. Du wirst für mich die hübscheste auf dem gesamten Ball sein.«

»Danke.« ,murmelte sie leise.

»Das war mein ernst.«

Sie nickte und er stand von dem kleinen Schemel auf.

»Rosette macht ein ganz schönes Geheimnis um dein Ballkleid. Sie verrät uns kein bisschen, hast du es schon gesehen?«

»Oh ja.« ,seufzte Lynn.

»Das wird schon.«

Dann verschwand er aus dem Badezimmer und Lynn ließ sich erneut ins warme Wasser gleiten, bevor sie aufstand und sich abtrocknete.
Sie saß in weiche weiße Handtücher gehüllt auf ihrem Bett und blickte zu Bosco hinüber. Sie hatte ihn vor der Tür platzieren lassen, damit sie niemand mehr störte, wenn sie sich jetzt fertig machte. Ruhig stand sie auf und blickte in den Himmel. Es war ein strahlender wolkenfreier Himmel und würde nicht der viele Schnee liegen, könnte man denken es wäre sommerlich warm draußen. Ihre Haut prickelte immer noch, da sie diese gründlich abgeschrubbt und danach mit einer wohlriechenden Salbe eingecremt hatte. Rosette hatte Vergnügen daran entwickelt ihr immer neue Kosmetikprodukte zu schenken und einige davon waren wirklich gut.
Lynn setzte sich schnaubend an ihren Schminktisch und blickte in ihr Spiegelbild. Sie wirkte ein wenig blass heute, oder irrte sie sich da? Sie schnaubte erneut, für gewöhnlich machte es ihr wirklich wenig aus, was andere von ihr dachten, aber heute war es nicht so.

»Mach es für Zain. Mach es für Zain.« ,murmelte sie immer wieder.

Die Kette mit dem Herzanhänger welche er ihr geschenkt hatte, lag vor ihr auf dem Schminktisch und sie legte diese an. Dann lächelte sie und nickte sich selbst zu. Sie würde sich nur für Zain zu recht machen und für sonst niemanden.

Wie vor ihrem ersten Ball, stand Lynn auch dieses Mal vor dem großen Spiegel ihres Kleiderschranks. Sie trug das von Rosette ausgewählte Kleid für diesen Ball. Es war ein tiefblaues beinah schwarzes Kleid. Es hatte einen schmalen Neckholder, welcher ihr halt bot, da das Kleid einen verboten tiefen Rückenausschnitt hatte. Skeptisch blickte sie auf ihren entblößten Rücken, durfte man so etwas überhaupt auf einem Ball tragen? Das Kleid war schlicht, besaß aber eine leichte Schleppe. Ihre Schultern und Arme waren ebenfalls frei und Lynn fragte sich, wie dieses Kleid überhaupt halten konnte. Es war eng geschnitten, sodass es an ihr lag wie eine zweite Haut. Wie um alles in der Welt wusste Rosette immer, dass es passen würde? Schließlich hatte sie keinerlei Maße genommen.
Dieses Mal trug sie nicht Rosettes Schmuck, sondern nur Zains Halskette. Zu ihrer Überraschung passte es wirklich gut, es war schlicht und dennoch besonders. Ihre Haare hatte sie zu einer Bananensteckfrisur hochgebunden. Erneut musste sie auf hohen Schuhen gehen und sie hoffte innig, dieses Mal nicht so viel tanzen zu müssen, da sie mit Zain zum Weihnachtsball ging. Ihre Augen wirkten intensiv blau, da sie ihre Augen schwarz geschminkt hatte. Es hatte etwas geheimnisvoll Kühles an sich. Sie holte tief Luft und rieb sich einmal die Hände. Dann durchquerte sie das Zimmer und raffte ihr Kleid, während sie die Treppenstufen hinunter ging.

Sie hörte bereits die Stimmen der Zwillinge von unten und fasste ihren ganzen Mut zusammen. Als sie das Wohnzimmer betrat, war es Zain der sie als erstes erblickte. Er trug wieder einen schwarzen Anzug, dieses Mal mit einer dunkelblauen Krawatte, welche demselben Farbton angehörte wie ihr Kleid. Er kam strahlend auf sie zu und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange.

»Grandios.« ,flüsterte er.

»Lynn es ist unglaublich, dass du deinen ersten Auftritt allem Anschein nach noch überbieten kannst. Mein Kompliment.« ,sagte Nicolo und prostete ihr mit seiner Teetasse zu.

Sie lächelte ihn an und nickte dankend. Arvid und Aaron kamen auf sie zu und grinsten sich breit an.

»Du siehst perfekt aus für den heutigen ganz besonderen Tag.« ,sagte Arvid betont.

Sie runzelte die Stirn und erkannte aus den Augenwinkeln, wie Zain Arvid wütend anfunkelte. Arvid grinste bloß und Lynn sah zu Zain hinüber.

»Ich hoffe es gibt heute keine Überraschungen.« ,sagte sie beinah warnend.

»Nein. Alles wird ganz normal von statten gehen.« ,versprach er.

Rosette betrat nun das Wohnzimmer. Sie trug ein ebenfalls dunkelblaues Kleid, aber noch deutlich heller als ihres und lächelte sie breit an.

»Wundervoll. Dann können wir los. Die selbe Kutschenverteilung wie letztes Mal.« ,trällerte sie und zog ihren Mantel über.

Zain half ihr schnell in den Mantel und Lynn nickte ihm dankend zu. Dann verließen sie das Haus und betraten die Schlitten. Und erneut würde sie zu einem Ball fallen und wieder war sie mehr als nur nervös.

Der zweite Ball fand allem Anschein in einer anderen Stadt statt und Lynn sah neugierig aus dem Kutschenfenster. Die Stadt schien nur aus Glas zu bestehen und leuchtete hell in den dunklen Nachthimmel. Es fiel kein Schnee und man hatte freie Aussicht.
Die Kutschen hielten vor einem großen Gebäude mit einer gewaltigen Glaskuppel. Man half ihr noch beim Ausstieg, dann fuhr die Kutsche weg um den nächsten Platz zu machen. Lynn stellte sich neben Zain und sah das Gebäude mit großen Augen an. Alles wirkte zerbrechlich und gleichzeitig prachtvoll.

»Willkommen in der Glasstadt. Du wirst den Saal mögen.« ,sagte er vergnügt und bot ihr seinen Arm an.

Sie hakte sich bei ihm ein und zusammen schlenderten sie den mit Teppich ausgelegten Alleenweg bis zum Gebäude. Die Bäume waren mit leichten Ketten verbunden an welchen Windlichter hingen. Rosette und Nicolo führten ihre kleine Truppe an, während Zain und sie das Schlusslicht bildeten. Einige Unkas waren ebenfalls unterwegs zu dem Gebäude und sahen zu ihnen hinüber. Zu Lynns Überraschung stellte sie fest, dass viele der jungen Damen heute lockige Haare trugen und die vorderen Haarpartien nach hinten gebunden hatten.

»Du scheinst ihnen imponiert zu haben.« ,flüsterte Zain vergnügt.

Sie spürte wie die Röte ihr ins Gesicht schoss und sie senkte schnell den Blick. Er lachte kurz vergnügt auf und führte sie dann auf eine riesige Kristalltür zu, welche sich öffnete als sie auf sie zukamen. An einer Garderobe gaben sie ihre Mäntel ab und erneut spürte Lynn die Blicke auf sich. Zain führte sie ruhiger Hand in den großen Tanzsaal, aus welchem sie bereits wieder die Walzermusik hörte.
Der Saal raubte ihr jeden Atem. Es war als würde man in einen eingefrorenen Saal treten. Der Boden war glasig und für einen Moment hatte sie Sorge er würde kaputt gehen oder sie würde ausrutschen, aber nichts dergleichen geschah. Die Tische und Stühle waren in einem eisigen blau dekoriert und es war als würden Eiszapfen von ihnen hängen, dabei war es Glas. Allem Anschein nach schien alles hier aus Glas zu bestehen. Von der Decke hingen gewaltige Eiszapfen, neben den zierlich aussehenden Kronleuchtern, welche den Saal erhellten. Als sie zum Orchester hinüber blickte musste sie einfach fassungslos den Kopf schütteln. Sie spielten tatsächlich auf Instrumenten aus Glas. Wie war das überhaupt möglich?
Nicolo führte sie erneut durch den Saal und blieb dann vor einem Mann mit einer kunstvollen Brille mit gläsernem Gestell stehen. Seine Frau trug ein blassblaues Kleid und es wirkte, als wäre sie selbst aus dem Glas entsprungen. Ihre zierliche zerbrechliche Gestalt trug sicherlich dazu bei.

»Willkommen Nicolo, willkommen Rosette. Wie ich sehe Nicolo, habt Ihr Euren Gast wieder mitgebracht. Milady es erfreut mich Sie hier begrüßen zu dürfen.« ,sagte er dann lächelnd.

Lynn lächelte und nickte dann. Sie war immer noch bei Zain eingehakt und als ihr Gastgeber diese Haltung sah, lächelte er breit.

»Zain, kommt es mir nur so vor oder haben Sie tatsächlich eine Begleiterin?« ,fragte der Mann mit der Brille amüsiert.

»Es erfreut mich überaus Ihre Annahme zu bestätigen Laurin. Ich werde diesen Abend von Lynn begleitet.«

Lynn sah zu ihm auf und lächelte ihn liebevoll an. Er erwiderte diesen Blick und als Lynn wieder zu ihrem Gastgeber blickte, erkannte sie in dem Blick seiner Frau erstaunen.

»Wie mir scheint, scheinen Sie mehr als nur Tanzpartner geworden zu sein.« ,merkte seine Gattin an.

»Ja, die Jugend hat etwas wundervolles.« ,sagte Nicolo.

Zain führte sie von Nicolo und dem Gastgeber dieses Balls weg und auch die Zwillinge entfernten sich mit Sigurd. Ruhig führte Zain sie durch den Saal, als würde er sie zur Schau stellen. Er sah sie nur einmal an und lächelte entschuldigend. Er grüßte ein paar Leute und geleitete sie dann nach draußen. Man hatte einen wundervollen Blick über die Stadt und Lynn atmete die kühle Nachtluft ein.

»Entschuldige, wenn es dir gerade unangenehm war, aber ich musste demonstrativ klarstellen, dass ich meinen Fluch gebannt habe.« ,sagte er lächelnd.

»Du wirst viele Herzen brechen, wenn du heute nicht tanzen wirst.« ,sagte sie lächelnd.

»Um einige Tänze werde ich mich nicht drücken können. Verzeih mir bitte.«

»Sicher. Nur befürchte ich, wird man mich auch wieder bitten zu tanzen.«

»Was ich ihnen nicht verübeln kann. Du siehst unglaublich verführerisch aus und gleichzeitig kühl und unantastbar. Aber nicht für mich.« ,sagte er kichernd und küsste ihren Hals.

Sie spürte wie sie rot wurde, da einige Unkas sie beobachteten und sofort anfingen zu tuscheln.

»Zain.« ,flüsterte sie beschämt.

»Was denn? Sollen sie doch ruhig etwas zum Reden haben. Dieses Jahr ist so aufregend wie schon lange nicht mehr. Die letzte, die für derart Gesprächsstoff gesorgt hat, war meine Mutter und das ist schon lange her.«

Lynn fühlte sich geschmeichelt, dass er sie mit seiner Mutter Felizia verglich. Er nickte in Richtung Saal und führte sie wieder ins Warme. Einige Tänzer waren bereits auf dem Parkett und Zain schien alle Anstalten zu machen, ebenfalls zu tanzen. Er führte sie auf die Tanzfläche und legte seine Hand in ihren Rücken.

»Darauf freue ich mich schon die ganze Fahrt lang.« ,sagte er lächelnd.

Sie spürte wie sie rot wurde und er begann zu tanzen. Seine Hand wanderte ihren Rücken langsam auf und ab und sie drückte immer mal wieder seine Hand um ihn zu ermahnen. Wieso benahm er sich so sonderbar? Er lächelte bloß und wirbelte sie herum. Als das Lied endete zwinkerte er ihr zu und löste sich dann von ihr. Ordnungsgemäß applaudierten sie dem Orchester und verließen dann das Parkett. Zain führte sie an einen Tisch an welchem bereits Nicolo, Rosette und ein ihr unbekanntes Ehepaar mit ihrer Tochter saßen. Zwei Stühle waren noch frei und sie setzten sich dazu. Lynn bemerkte schnell, wie das Mädchen sie mit großen Augen ansah. Sie war vielleicht drei Jahre jünger als sie, wirkte aber älter durch ihre Größe.

»Lynn darf ich dir meinen Freund Jaro vorstellen? Ich kenne ihn schon sehr lange und er war mir immer ein guter Ratgeber. Seine Frau Maida und natürlich seine liebreizende Tochter Iraine.« ,stellte Nicolo die Familie vor.

»Guten Abend.« ,sagte Lynn freundlich.

»Guten Abend Lynn. Ich habe bereits viel von Ihnen gehört. Wir waren leider beim ersten Weihnachtsball verhindert, daher lernen wir uns jetzt erst kennen. Es stimmt was man über Sie sagt, Sie sind von faszinierender Schönheit, beinah wie eine Elfin. Sie sind jedoch ein Mensch oder?« ,fragte Jaro freundlich.

Lynn wurde heiß. Sie war eine Elfin, aber man kannte sie nur als Menschenmädchen. Es wäre wohl besser, wenn sie sich als solche auch weiter ausgab, schließlich befand sich die Magesfamilie im Krieg mit den Elfen.

»Ja ich stamme aus der Menschenwelt.« ,sagte sie stattdessen.

»Sind die Winter dort auch so kalt wie hier?« ,fragte Maida neugierig.

»Nein. Wir haben bei weitem nicht so viel Schnee in unseren Städten. Es gibt kein Gebiet, welchen diesem hier nachkommt.«

Maida nickte und nippte an ihrem Glas, welches aussah wie ein ausgehöhlter Eiszapfen. Ein Kellner brachte gerade in diesem Moment zwei weitere solcher Kelche und Lynn nahm es dankend entgegen. Sie prostete der kleinen Familie zu und nippte an ihrem kühlen Getränk.

»Zain Ihr scheint Euren Fluch gebrochen zu haben und sogar noch mehr dazu gewonnen zu haben.« ,sagte Jaro lächelnd.

Zain nickte und drückte Lynns Hand unter dem Tisch. Sie sah zu ihm und drückte seine Hand zurück.

»Ja ich habe unglaubliches Glück gehabt.« ,sagte er lächelnd.

»Dabei hatte sich Iraine bereits so sehr auf einen Tanz mit Euch gefreut.« ,sagte Maida langsam.

Lynn erkannte wie Iraine neben ihr errötete und beschämt auf ihre Finger blickte. Lynn lächelte und blickte dann zu Iraine.

»Ich bin mir sicher, dass Zain trotzdem mit Iraine tanzen wird, oder?« ,fragte sie nach.

Zain lächelte zu Iraine und nickte dann. Diese strahlte begeistert und Zain erhob sich und trat vor Iraine.

»Dürfte ich um den nächsten Tanz bitten?« ,fragte er höflich.

Iraines Gesicht war über die Maße rot, aber sie nickte eifrig. Leicht zittrig reichte sie ihm ihre Hand und erhob sich dann. Lynn sah ihnen lächelnd nach. Dann lauschte sie ruhig den Gesprächen und beantwortete Fragen, wenn man ihr welche stellte. Es waren langweilige Themen und Lynn suchte nach einer Möglichkeit sich zu entfernen ohne unhöflich zu wirken. Iraine schien Zain noch hin zu halten, da bereits das zweite Lied angestimmt wurde.

»Entschuldigen Sie Lynn, aber dürfte ich Sie um den nächsten Tanz bitten?« ,fragte plötzlich eine Männerstimme.

Lynn sah auf und blickte in leuchtend grüne Augen. Ein junger Mann lächelte sie an und wartete geduldig auf eine Antwort von ihr.

»Natürlich. Entschuldigen Sie mich bitte.« ,sagte sie zu dem Ehepaar und diese nickten lächelnd.

Ihr rettender Tanzpartner führte sie auf die Tanzfläche und drehte sie einmal, bevor er seine Tanzposition mit ihr einnahm.

»Sie wirkten ein wenig verloren ohne Ihre Begleitung. Ich bin Oberon.«

»Wirkte ich so verloren?« ,fragte sie nach.

»Nein natürlich nicht, aber es muss langweilig gewesen sein. Meine Eltern sind schon einmal etwas einschläfernd.«

»Eure Eltern?« ,fragte sie überrascht.

»So sieht es aus. Und da mein kleines Schwesterchen mit Zain beschäftigt ist, habe ich meine Chance ergattert. Sie müssen wissen, Sie beiden haben diesen ganzen Abend umgekrempelt. Freute sich eine jede junge Dame auf den Tanz mit Zain, so freute sich jeder junger Herr auf einen Tanz mit Ihnen. Jetzt beginnt ein Kampf wer einen der wenigen Tänze ergattern kann.«

»Und Sie haben erfolgreich gekämpft?« ,fragte Lynn amüsiert.

»Die anderen waren nur abgelenkt.« ,sagte er lächelnd.

Lynn nickte und ließ sich von ihm umher wirbeln. Er sah sie immer noch lächelnd an und Lynn wurde leicht rot.

»Davon habe ich bereits gehört. Sie erröten schnell und in der Tat es ist verführerisch und löst in mir den Drang aus Sie zu beschützen.«

Lynn spürte wie sie noch roter wurde und Oberon lachte kurz auf.

»Ich fürchte um Sie zu beschützen müsste ich den Tanz aufgeben, was ich unmöglich kann, da es mir zu viel Spaß macht. Sie sind also nun ein Paar?« ,erkundigte er sich plötzlich.

»So etwas scheint sich wirklich schnell rum zusprechen.« ,sagte Lynn seufzend.

»Ich bitte Sie. Zain hat sie bewusst durch den Saal geführt und wie man munkelt, hat er sie draußen geküsst. Obszön.« ,sagte er kichernd.

»Ich fürchte mein Ruf ist ruiniert.« ,sagte Lynn seufzend.

»Oh nein, er ist unantastbar. Jeder der Anwesenden, zu mindestens der männliche junge Teil, würde nur allzu gerne den Platz mit Zain tauschen. Ich eingeschlossen. Es ist aber nichts zu machen, oder doch?« ,fragte er hoffnungsvoll.

Lynn sah ihn überrascht an und schüttelte dann den Kopf. Er zuckte mit den Achseln und wirbelte sie weiter herum. Die Musik endete und er ließ sie frei. Lynn applaudierte ihm zu, dann dem Orchester. Noch ehe sie es sich versehen konnte, war sie bereits an den nächsten Tanzpartner gebunden und erneut musste sie Rede und Antwort stehen. Sie erkannte Zain welcher gerade um eine neue Tanzpartnerin bat und ihr kurz ein Lächeln zu schenkte. Lynn konnte nur hoffen, dass er sie bald erlösen würde.

Schnell eilte sie von der Tanzfläche, als das Lied endete und sie ihre letzten Pflichten erfüllt hatte. Als sie aus einem der Fenster blickte erkannte sie Zain, welcher mit einer jungen attraktiven Frau über die Terrasse schlenderte. Sie wandte den Blick ab, aber ihr Herz krampfte sich zusammen. Sie beruhigte sich und schlenderte auf Sigurd zu welcher am Rande des Geschehens stand.

»Netter Abend?« ,fragte er sie spöttisch.

»Ich denke schon und du?«

»Erträglich.« ,grummelte er.

»Wieso bittest du nicht jemanden zum Tanz?« ,fragte sie neugierig.

»Es gäbe nur eine Frau mit der ich tanzen würde, aber sie ist nicht hier.«

»Wer ist sie?« ,fragte Lynn neugierig.

»Sie ist schon lange von uns gegangen.« ,sagte er grimmig.

»Entschuldige.« ,murmelte sie leise.

»Schon gut Mädchen.« ,flüsterte er leise.

Lynn sah ihn an und es schien ihr als wäre Sigurd in seinem Inneren ein ganz anderer. Die Erkenntnis dass er ein Elf war, war immer noch überraschend, aber es passte zu ihm. Er hatte dieses geheimnisvolle. Er sah kurz zu ihr hinunter und Lynn lächelte ihm zu.

»Wo ist dein Begleiter?« ,fragte er neugierig.

»Ich schätze unterwegs.«

»Und du machst dir keine Sorgen?« ,fragte er langsam.

Lynn sah zu ihm auf und sie kniff die Augen zusammen. Wollte Sigurd sie reizen, damit sie ging. Sie lächelte ihn nur müde an und senkte dann den Blick.

»Ich vertraue Zain, auch wenn er mir nicht alles von sich erzählt. Dennoch bin ich mir sicher, dass er mich niemals verletzen würde.«

Sigurd schien ihr gar nicht zugehört zu haben und Lynn schnaubte schwer. Sie wandte sich von ihm ab und setzte sich an einen der leeren Glastische. Ein erfreuter Aufruf ging durch den Saal und Lynn sah sich um. Dann erkannte sie, dass es von der Decke schneite. Überrascht und verwundert hielt sie ihre Hand nach einer der Schneeflocken aus und diese landete leicht auf ihrer Hand. Zu ihrer Überraschung war es kein richtiger Schnee, er war nicht mal kalt. Stattdessen war es so etwas wie ein Glitzerwölkchen. Es dauerte auch nicht lange und der gesamte Saal glitzerte und funkelte und seine Gäste wirkten wie gefärbte Glasfiguren. Es war ein netter Anblick und Lynn stützte ihren Kopf sachte in ihre Hand und blickte über das Geschehen. Niemand nährte sich ihr und niemand bat um den nächsten Tanz, was ihr eigentlich ganz recht war. Sie saß ruhig an ihrem Platz, lauschte der Musik und dem heiteren Stimmengewirr.

»Warum sitzt du hier ganz alleine?« ,fragte Zain plötzlich von hinten.

Sie drehte sich zu ihm um und er sah sie mit großen Augen an. Verunsichert sah sie zu ihm auf.

»Stimmt etwas nicht?« ,fragte sie zittrig.

»Du siehst aus wie ein Engel.« ,sagte er hauchend und nahm ihr gegenüber Platz.

Auch er glitzerte und sah aus wie aus Glas geschlagen. Er griff nach ihrer Hand und küsste ihre Fingerknöchel.

»Wieso amüsierst du dich nicht?« ,fragte er besorgt.

»Das tue ich.« ,sagte sie lächelnd.

»Aber du tanzt nicht.«

»Weil niemand mich fragt.« ,murmelte sie leise.

»Möchtest du tanzen?« ,fragte er ruhig.

»Nein. Ich schaue lieber den Paaren zu.«

»Dann bleibe ich bei dir. Du solltest nicht alleine hier sitzen.«

»Du brauchst meinetwegen nicht hier bleiben. Amüsier dich ruhig. Geh tanzen.«

Er sah sie einen Moment ausgiebig an und erhob sich dann. Sie lächelte ihm zu und blickte wieder zu den Tanzpaaren, aber er blieb vor ihr stehen, die Hand nach ihr ausgestreckt.

»Wir werden jetzt tanzen Lynn. Du bist meine Begleiterin und ich will dich glücklich machen.«

»Zain, du musst nichts tun was du nicht willst.«

»Lynn du bist was ich will und ich möchte dich glücklich sehen und das bist du wenn wir tanzen. Du kannst es leugnen, aber ich sehe es in deinen Augen.«

Sie sah ihn überrascht an und legte dann ihre Hand in seine. Er lächelte breit und führte sie zum Tanzparkett. Es lief ein ruhiges Lied und er drückte sie nah an sich. Sie legte sanft ihren Kopf an seine Schulter und sie wiegten mehr hin und her, als dass sie wirklich tanzten. Ein paar Mal ließ er sie eine Pirouette machen, bevor er sie wieder an sich schmiegte. Für einen Moment schloss sie die Augen und ließ sich von ihm führen.

»Siehst du Lynn. Es gefällt dir und mir macht es überaus Spaß.«

Sie sah zu ihm auf und lächelte breit. Ein neues Lied wurde angestimmt und er drehte und führte sie jetzt wieder wilder über das Parkett.

Der Abend war bereits weit voran geschritten und allmählich spürte sie die Müdigkeit. Die Zwillinge saßen rechts und links neben ihr und schienen gebannt auf etwas zu warten. Aaron neben ihr trommelte nervös mit den Fingern und schien jemanden zu beobachten. Lynn verfolgte seinen Blick, konnte aber niemanden erkennen.

»Was ist denn bloß los mit euch beiden?« ,fragte Lynn neugierig.

Erschrocken wurden die Zwillinge sofort munter und Arvid lächelte matt.

»Was soll denn los sein? Wir sind nur gespannt.«
»Auf was?« ,fragte sie nach.

»Das Finale.« ,murmelte Arvid.

»Meint ihr den Abschlusstanz eurer Familie?« ,fragte Lynn langsam.

»Nein ein anderes. Wir sind gespannt ob es dir gefallen wird oder nicht.« ,murmelte Aaron.

Lynn runzelte die Stirn und versuchte nicht weiter darüber nach zu denken. Sie nippte an ihrem kühlen Wein und blickte über die Tanzfläche. Zain kam auf sie zu und grinste breit.

»Darf ich noch einmal bitten?« ,fragte er lächelnd.

»Wir haben vorhin die ganze Zeit getanzt.« ,sagte sie seufzend.

»Ein kleiner Tanz.« ,flehte er.

Lynn schnaubte und erhob sich dann. Zain führte sie durch das Tanzparkett bis zum Zentrum aller Tänzer und tanzte dort mit ihr. Er zitterte stark, dass spürte sie und sie sah ihn besorgt an. Er lächelte sie an, aber das Lächeln zuckte um seine Mundwinkel. Dann hörte das Lied auf und die Tänzer applaudierten. Lynn blickte zum Orchester hinüber, aber sie stimmten kein neues Lied an. Verwirrt runzelte Lynn die Stirn, bis sie auf einmal das Flüstern und Tuscheln hörte. Sie sah sich um und erkannte wie die umstehenden Paare von ihnen rückten. Lynn blickte wieder zu Zain und fand ihn vor ihr kniend vor.

»Was machst du?« ,fragte sie flüsternd.

Aus der Innentasche seines Jacketts zog er ein kleines schwarzes Samtdöschen und Lynns Pulsschlag ging schneller. Er würde jetzt doch nicht tun, was sie glaubte.

»Lynn ich weiß wir kennen uns noch nicht lange, aber ich weiß, dass uns vieles verbindet.« ,sagte er laut.

Alle Aufmerksamkeit des riesigen Saals war nun auf sie beide gerichtet und Lynn spürte wie sie rot im Gesicht wurde. Unsicher sah sie wieder zu ihm hinunter.

»Deine Welt ist nicht diese und deine Welt für mich aufzugeben, ist mit Sicherheit nicht einfach für dich. Du sollst wissen, dass ich dich vor allen Gefahren beschützen werde und dass du niemals Leid erfahren musst.«

Er machte eine kleine Pause und Lynn sah sich noch einmal verstohlen um. Die vielen Gesichter die das Geschehen musterten und beurteilten. Wieso machte er es hier in aller Öffentlichkeit?

»Lynn du bist das Wunderbarste was mir jemals widerfahren ist. Wenn ich dich lachen höre, vergesse ich alle meine Sorgen. Deine Nähe gibt mir Mut und Kraft. Egal wie du dich entscheidest und was auch immer passieren mag, du sollst wissen, dass ich dich immer lieben werde. Deshalb frage ich dich hier und jetzt. Lynn willst du meine Frau werden?«

Er öffnete das kleine schwarze Samtkästchen und zum Vorschein kam ein feiner Silberring welcher einen weißen Edelstein in einer länglichen Form als Schmuckstück hatte. Sein Blick war voller Liebe und Güte und Lynn spürte wie ihr Herz schneller schlug. Alles war ruhig, niemand sagte ein Wort, aber sie wusste je länger sie mit einer Antwort zögerte um so mehr würden die Unkas tuscheln. Sie schloss die Augen, es war ihr egal was die Unkas dachten. Zain liebte sie und dass so sehr, dass er versuchte sie mit allen Mitteln bei sich zu behalten. Es kam ihr viel zu verrückt vor. Sie kannten sich doch gerade einmal ein paar Wochen. Doch gleichzeitig hatte sie das tiefe Gefühl, dass sie beide etwas Starkes verband. Dabei hatte sie in ihrer Welt noch so viel zu erledigen, doch sie war sich sicher, dass er ihr ein halbes Jahr noch geben würde um alles zu erledigen. Sie holte schwer Luft und öffnete ihre Augen wieder. Sein Blick hatte sich geändert. Er sah verunsichert aus und sein Lächeln war weniger stark. Dann lächelte sie ihn an.

»Ja ich will.« ,flüsterte sie leise, das nur er es hören konnte, aber mit aller Liebe die sie in sich hatte.

Er riss sie stürmisch hoch und wirbelte sie herum. Der Saal applaudierte laut und einige pfiffen durch die Menge. Er küsste sie und zu ihrer Überraschung gab er ihr einen einfachen Kuss. Dann legte er ihr zittrig den Ring um den linken Ringfinger. Er küsste sie erneut und umarmte sie dann fest.

»Ich werde dich zu Hause küssen. Ich will, dass niemand diesen Kuss sieht. Es ist mein Kuss.« ,sagte er kichernd.

Sie sah ihn lächelnd an und nickte dann. Die Musik begann wieder und jetzt stürmten die Unkas zu ihnen, beglückwünschten sie und gaben die besten Wünsche für die Zukunft. Zain hielt sie die ganze Zeit an ihrer Taille umschlungen fest an sich gedrückt und küsste immer wieder ihren Kopf. Das Zittern hatte in seinen Händen noch nicht nachgelassen. Allmählich wurden die Massen weniger und Rosette umarmte sie herzlichst.

»Wir haben so für ihn mit gefiebert.« ,sagte sie lachend.

»Ihr wusstet davon?« ,fragte sie überrascht.

»Natürlich. Zain hat uns stundenlang um Rat gefragt.« ,sagte Rosette lächelnd.

Jetzt verstand sie auch Arvids und Aarons Nervosität. Die Zwillinge umarmten sie stürmisch und Arvid sah sie begeistert an.

»Jetzt bleibst du immer bei uns.« ,sagte er lächelnd.

Sigurd nickte ihr zu und sie lächelte zurück. Zain legte ihr einen Arm um die Schulter und drückte sie sanft. Sie blickte zu ihm auf und lächelte breit.
Der restliche Abend verlief erfreudig. Sie tanzte ausgelassen mit Zain und immer wieder wünschte man ihnen alles Gute und versicherte, was für ein entzückendes Paar sie waren. Zain strahlte am meisten und ließ sie nicht aus den Augen, egal was sie tat. Als der Schlusstanz von Nicolo und Rosette das Ende des Balls einläuteten, bekam Zain wieder dieses Zittern.

»Was hast du bloß?« ,fragte sie besorgt.

»Ich bin voller Vorfreude.«

»Vorfreude auf was?«

»Alles. Es wird wundervoll.«

Sie lächelte und irgendwie packte auch sie das Zittern. Als sie den Ball verließen, führte Zain sie nicht zu den Kutschen. Verwirrt blickte sie auf, doch er lächelte nur und im nächsten Moment waren sie an einem anderen Ort. Kalter Wind und Schnee peitschten um ihr Gesicht, aber Zain drückte sie beschützend an sich. Er trug sie in seinen Armen durch den hohen Schnee und plötzlich erkannte Lynn eine Felsgruppe vor ihnen und in dieser eine Tür. Er trug sie auf diese Tür zu und öffnete sie ohne seine Hände zu verwenden. Im Inneren setzte er sie ab und schloss die Tür. Es war angenehm warm, aber sie konnte nichts erkennen. Dann hörte sie das Zischen einer angehenden Kerze und ihr Umkreis erhellte sich. Fassungslos blickte sie sich um. Sie befand sich mitten auf einer riesigen Wiesenlandschaft. Zain drückte sie sanft vorwärts und führte sie geradewegs unter eine riesige Eiche. Eine weiche Decke war dort aufgeschlagen und ein großer Flechtkorb stand am Fuße der Eiche. Sie blickte zu ihm auf und erkannte ein Lächeln.

»Hast du das vorbereitet?« ,fragte sie keuchend.

»Gefällt es dir? Morgen bei Tag wird es noch schöner sein.«

»Aber wie konntest du dir sicher sein, dass ich annehme?«

»Ich war überhaupt nicht sicher und ehrlich gesagt, habe ich damit gerechnet, dass du nein sagen würdest.«

Er wollte noch etwas ergänzen, aber sie warf sich ihm an den Hals und küsste ihn. Er schlang die Arme um sie und presste sich eng an sich. Taumelnd kamen sie auf der überaus weichen und bequemen Decke zum Liegen und Zains Atem ging stoßweise, als er seine Lippen von ihren lösten. Sie erkannte wie er schwer schluckte und seine Lippen bebten.

»Lynn ich liebe dich.«

»Ich weiß und ich liebe dich auch.«

Er lächelte und küsste ihren Hals und wanderte dann ihr Dekolleté hinunter. Ihr Atem beschleunigte sich und ihre Finger krallten sich sanft in seine Haare.
6.12.14 15:32


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